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Big Brother's Big World
Big Brother Over The Top Online

© CBS

Hingeschaut: Das könnte die Zukunft von Big Brother sein

Erinnert ihr euch an "Der Container Exklusiv", jene Quasi-Big Brother-Staffel, die ausschließlich bei Premiere lief? Der amerikanische Sender CBS wagt aktuell ein ähnliches Experiment und zeigt über sein kostenpflichtiges Streamingportal All Access eine reine Online-Staffel. Wir haben uns die ersten Tage angesehen.

Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen sehr detaillierten Bericht über die amerikanische Online-Staffel, der nochmals die Geschichte des US-Formats erklärt, die Besonderheiten darstellt und sich sehr intensiv mit den einzelnen Features sowie den Änderungen der Staffel beschäftigt. Entsprechend lang ist auch der Artikel. Wer nicht genügend Zeit hat, um diesen mehr als 4000 Wörter langen Text zu lesen, kann stattdessen auch unsere kürzere News zu Big Brother: Over The Top ansehen.

Der Fernsehmarkt befindet sich im Umbruch. Immer mehr Serien werden gar nicht für das klassische, sogenannte lineare Fernsehen produziert, sondern für Streaming-Anbieter im Internet. Besonders Netflix steht wie kaum ein anderes Unternehmen so sehr für dieses „Fernsehen der Zukunft“, das Inhalte nicht mehr nach einem starren Programmschema anbietet. Lange Zeit beschränkten sich VoD-Anbieter wie Netflix auf das Anbieten von Serien und Filmen, die über einen hohen Wiederansehwert verfügen. Doch nicht zuletzt um sich vom mächtigen Netflix abzusetzen, strecken Konkurrenzportale ihre Fühler in Richtung Live-Inhalte aus. Während Maxdome in der Vergangenheit Live-Events der WWE und den Promi Big Brother Live-Stream der zweiten Staffel angeboten hat, sicherte sich Amazon kürzlich die Audio-Rechte an der Fußball-Bundesliga. In den USA setzt das noch relativ junge Streaming-Portal CBS All Access ebenfalls auf Live-Inhalte und speziell den großen Bruder.

Hintergrundinfos: Das ist das amerikanische Big Brother

CBS All Access gehört zum amerikanischen Fernsehnetwork CBS, das Serien wie The Big Bang Theory, CSI oder Navy CIS ausstrahlt. Seit 2000 gehört auch Big Brother fest zum Sommerprogramm des Kanals. Die erste Staffel folgte dabei noch dem Originalkonzept, bei dem die Bewohner sich jede zweite Woche gegenseitig nominieren, während eine Woche später die Zuschauer einen der nominierten Bewohner aus dem Haus wählten. Zwar war die Premierenstaffel kein Quotenflop, dennoch blieben die Zuschauerzahlen hinter den Zahlen der Reality-Show Survivor zurück. Auch inhaltlich konnte die Staffel die Amerikaner nicht überzeugen. Zu blass und zu langweilig wirkte es, Bewohner in einem Haus zu beobachten, während nur wenige Monate zuvor echte Menschen bei Survivor ums Überleben kämpfen mussten und dabei auch nicht davor zurückscheuten, sich im Kampf um den Sieg gegenseitig zu hintergehen.

Aus diesem Grund wurde das amerikanische Big Brother zur zweiten Staffel inhaltlich überarbeitet, in Richtung Survivor getrimmt und von sechs auf drei Episoden pro Woche gekürzt. Wichtigste Änderung: Fortan nominiert nur noch ein Bewohner, der sogenannte Head of House, während die übrigen Bewohner in der wöchentlichen Live-Auszugsshow einen der beiden Nominierten aus dem Haus wählen. Auch der Gewinner wird nicht mehr von den Zuschauern bestimmt. Stattdessen küren einige Ex-Bewohner den Sieger. Wer Head of House wird, entscheidet sich mit einer Competition. In weiteren Wettkämpfen wird um Luxus, Essen oder das Recht, einen Nominierten zu schützen gespielt. Aufgrund dieses Konzepts ist es ausdrücklich erwünscht, dass Bewohner Strategien entwickeln und offen über Nominierungen sowie das Auszugsvoting zu sprechen.

Die Zuschauer können dagegen nur noch kleinere Entscheidungen treffen, die den Verlauf der Staffel nur wenig bis gar nicht beeinflussen. So können sie beispielsweise das Strafessen bestimmen oder Bewohner auswählen, die belohnt werden sollen. Dennoch bleibt auch Big Brother in den USA ein Live-Erlebnis. Schließlich erhalten die über den Big Brother Live-Stream weiterhin einen Blick ins Haus und können dabei vier Kameraperspektiven gleichzeitig verfolgen – entweder einzeln oder nebeneinander mittels Quad View. Rund um die Uhr wird in den Staaten jedoch nicht übertragen. Wettkämpfe, Nominierungen sowie weitere, das Spiel beeinflussende Entscheidungen werden dort in der Regel nicht gezeigt, um auch die Live-Zuschauer zum Anschauen der TV-Folgen zu bewegen.

Big Brother: Over The Top bei CBS All Access

Dennoch erfreut sich der Live-Stream in den USA großer Beliebtheit. Während er anfangs noch als eigenständiger Dienst angeboten wurde, ist er seit 2015 Teil des Streaming-Portals CBS All Access, das in der günstigsten Variante knapp sechs Dollar im Monat kostet und in diesem Jahr auch eine exklusive Onlineshow mit Ex-Bewohner Jeff Schroeder zeigte, in der in erster Linie Ex-Bewohner interviewt worden sind. Für Kunden von CBS All Access geht Big Brother in diesem Jahr zudem in die Verlängerung. Am 29. September und damit nur wenige Tage nach dem Finale der letzten Staffel startete auf dem Portal eine exklusive Online-Staffel: Big Brother: Over The Top.

Strukturell orientiert sich diese am bekannten Format mit einem Head of Household, Competitions und dem geänderten Nominierungs- und Rauswahlsystem. Auch das Haus ist das gleiche geblieben, wurde allerdings für die Online-Staffel nahezu komplett neu dekoriert. Neu ist zudem, dass der Live-Stream als zentrales Element der Staffel bei den Machern nun höchste Priorität genießt. Das bedeutet, dass alle Spiele und Aktionen speziell für die Live-Übertragung geplant werden und diese nicht mehr unterbrochen wird, wenn wichtige Ereignisse im Haus anstehen. Fans sollen nun wirklich das komplette Geschehen live verfolgen können und das wie immer über vier Kameraperspektiven.

Ergänzt wird die Live-Übertragung durch aufbereitete Zusammenfassungen. Anstelle von drei wöchentlichen TV-Episoden gibt es bei Big Brother: Over The Top jedoch nur mittwochs eine vollwertige Episode, an die sich der Live-Auszug eines Bewohners anschließt. Montags, dienstags, donnerstags und freitags stellen die Macher dafür ein sogenanntes Weekday Replay zur Verfügung, das die besten Szenen vom Tag in einem fünf- bis neunminütigen, kommentierten Highlightclip zusammenstellt. Sowohl die „Full Episode“ als auch die „Weekday Replays“ können jeweils ab 22:00 Uhr (Ostküste) bzw. 19:00 Uhr (Westküste) abgerufen werden.

Parallelen zu Der Container Exklusiv auf Premiere

Der Container exklusiv

RTL2 wehrte sich gegen dieses, BB-ähnliche Logo (Foto: Premiere/Endemol)

Diese Grundkonstellation erinnert stark an Der Container Exklusiv, einer Premiere-exklusiven Big Brother-Staffel mit dem Ursprungskonzept der ersten Staffeln, die direkt im Anschluss an die sechste Staffel startete, die Räumlichkeiten des Dorfs nutzte und nur aus rechtlichen Gründen nicht Big Brother heißen durfte. Auch dort lag der Fokus auf dem Live-Kanal, den Premiere-Kunden in der fünften und sechsten BB-Staffel lieben gelernt und daher auch für teures Geld abonniert hatten. Ergänzend dazu gab es eine wöchentliche Entscheidungsshow sowie ein tägliches, neunminütiges unkommentiertes Best-of anstelle der bekannten Tageszusammenfassungen. Statements aus dem Sprechzimmer, in denen die Bewohner ihre Eindrücke vom Geschehen im Haus ungefiltert schilderten, wurden dort nicht gezeigt. Dafür konnte man diese – anders als bei Big Brother – im Rahmen der Live-Übertragungen sehen. Ein Überflieger war die Container-Staffel nicht und wurde daher schon nach 100 Tagen anstatt nach den ursprünglich angekündigten 150 Tagen beendet.

Doch ein zweiter Premiere-Container ist die amerikanische Online-Staffel gewiss nicht. Das liegt schon alleine an der Art der Aufbereitung. Anders als bei den Premiere-Zusammenfassungen, die aus willkürlich und lieblos aneinandergereihten Szenen bestanden, setzen die Weekday Replay auf einen Kommentator, der die Szenen logisch miteinander verbindet. Durch den strukturellen Aufbau des amerikanischen Big Brothers existiert ohnehin automatisch ein roter Faden, an dem sich die Erzählung orientiert. Anders als bei Premiere gibt es selbst bei diesen Clips auch kurze Kommentare der Bewohner aus dem Sprechzimmer zu sehen. Damit sind sie vergleichbar mit den „Previously on Biiiiiig Brother“-Segmenten, die jede klassische TV-Folge einleiten.

Auszugsshows ohne Show und Moderation

Unterschiede gibt es auch beim Aufbau der wöchentlichen, vollwertigen Episode. Während es sich bei Premiere um eine Live-Sendung mit wöchentlichen Highlights, Auflösung der Wochenaufgabe sowie Nominierungen oder Auszüge handelte, fokussieren sich die amerikanischen Folgen ausschließlich auf die Zusammenfassung der vergangenen Woche. Ärgerlich ist hierbei jedoch, dass die Folge auf allen vier Live-Kanälen ausgestrahlt wird, was dann doch einer Abschaltung des Live-Streams gleichkommt. Erst wenn die Folge zu Ende ist, wird zurück ins Haus geschaltet, wo die Bewohner bereits auf das Exit-Voting und den Auszug warten.

Big Brother Eviction Episode

Doof: Die TV-Episode läuft auf allen vier Live-Streams und versperrt den Blick ins Haus (Foto: CBS Interactive)

Anders als im Fernsehen wird dieser Prozess jedoch nicht mehr von der Moderatorin Julie Chen oder einen besonderen Musikuntermalung begleitet. Stattdessen führt der HoH durch das Voting und holt im Sprechzimmer das Ergebnis ab, nachdem die Bewohner dort ihre Stimmen abgegeben haben. Wer moderierte Exit-Shows gewohnt ist, mag dieses Prinzip anfangs ungewohnt, vielleicht sogar unpersönlich empfinden. Schließlich plauderte Julie jede Woche etwas mit den Bewohnern und sprach sie – anders als Big Brother in der Online-Variante – auch persönlich im Sprechzimmer an. Ganz ohne Julie kommt aber auch Big Brother: Over The Top nicht aus. Gelegentlich meldet sie sich mit aufgezeichneten Botschaften, die neue Regeln erklären. Donnerstags wird sie zudem das erwähnte Q&A mit den Bewohnern durchführen sowie das Exit-Interview mit dem rausgewählten Bewohner nachholen.

Interaktion: Zuschauer haben mehr Einfluss den je

Neu bei der Rauswahl ist außerdem, dass nun auch die Zuschauer per Onlineabstimmung eine Stimme abgeben können. Es ist nicht die einzige Interaktionsmöglichkeit, die Fans bei Big Brother: Over The Top bekommen. So können die Zuschauer jede Woche einen dritten Bewohner direkt auf die Nominierungsliste setzen (jedoch nicht zweimal in Folge) und die „Have Nots“ wählen. Wer als Bewohner zum „Have Not“ ernannt wird, muss für den Rest der Woche in einem unbequemen Zimmer schlafen, darf nur kalt duschen und zudem nur den Slop genannten, wenig schmackhaften Brei essen.

Darüber hinaus wird auch der Gewinner in der Online-Staffel von den Zuschauern gewählt, die im TV sonst lediglich für ihren Favoriten wählen können, der mit einem kleinen Geldgewinn abgespeist wird. Beim Preisgeld für Big Brother: Over The Top werden jedoch Abstriche gemacht. Werden beim Finale im Fernsehen jedes Jahr 575.000 Euro vergeben (500.000 Euro für den Gewinner, 50.000 für den Zweitplatzierten und 25.000 Euro für den Liebling der Zuschauer), gibt es im online nur 250.000 Euro für den Sieger. Gekürt wird der Gewinner übrigens schon nach 65 Tagen anstatt nach 99 Tagen, wie es zuletzt im TV der Fall war.

Big Brother Over The Top Votes

Gleich viermal pro Woche können die amerikanischen Zuschauer per Vote ins Geschehen eingreifen. (Foto: CBS Interactive)

Von der vergangenen Staffel wird zudem der „Care Package“-Twist übernommen. Bei diesem können die Zuschauer jede Woche aufs neue bestimmen, welcher Bewohner ein sogenanntes Pflegepaket erhalten soll. Dieses enthält aber kein Shampoo oder Deo, sondern die Macht, das Geschehen im Haus zu beeinflussen. In der ersten Woche kann der gewählte Besucher beispielsweise einem Mitbewohner Nominierungsschutz verleihen, während der von den Zuschauern ausgesuchte Bewohner in der dritten Woche zum persönlichen Diener des HoH wird und dadurch selbst Schutz erhält. Doch die Wahl soll gut überlegt sein: Jeder Bewohner kann nur ein Pflegepaket bekommen, es sei denn jeder hatte bereits eines erhalten.

Schon jetzt zeigt sich, dass die Zuschauer diese zusätzlichen Voting-Möglichkeiten verantwortungsbewusst nutzen. Wie die Bewohner selbst strategisch stimmen auch sie strategisch ab und überlegen gemeinsam in Fanforen und den sozialen Medien, für welchen Bewohner man idealerweise abstimmen solle und welchen Einfluss dies auf die Staffel hat. Dass die Zuschauer damit quasi zu einem richtigen Teil der Sendung werden, haben auch die Bewohner selbst erkannt. Gelegentlich richten sie sich daher direkt an die Zuschauer und versuchen damit, deren Votingverhalten zu beeinflussen.

Neue Safety Ceremony zieht Nominierungen in die Länge

Für die Fans gibt es damit jede Woche viel zu diskutieren. Damit sie den Überblick nicht verlieren und immer genau wissen, wann sie einschalten müssen, hat CBS All Access einen umfassenden Sendeplan ausgearbeitet. Immer mittwochs um 23:00 Uhr/20:00 Uhr findet wie erwähnt nach der wöchentlichen Folge der Auszug statt. Um 00:00 Uhr/21:00 Uhr folgt schließlich noch die HoH Competition. Am Samstag und Sonntag sehen Fans zur BB-Hauptsendezeit um 22:00 Uhr/19:00 Uhr jeweils die Safety Ceremony, die die bisherige Nominations Ceremony ablöst. Bei letzterer versammeln sich die Bewohner um den Esstisch und warten, dass der HoH zu ihnen stößt. Im Gepäck hat dieser eine Box, in der zwei Schlüssel stecken. Die dreht er um, wodurch auf einem großen Monitor die beiden Nominierten erscheinen, und begründet seine Entscheidung vor allen Bewohnern.

Big Brother USA Nomination Ceremony

Im TV muss der HoH vor der gesamten Gruppe seine Nominierungen bekanntgeben. (Foto: CBS)

Bei der Safety Ceremony werden Bewohner und HoH hingegen getrennt. Während die Bewohner sich einen sogenannten Block Pass umhängen müssen, sich sonst aber frei im Haus bewegen können, tritt der HoH in seinem Privatzimmer vor eine Wand mit den Gesichtern der Bewohner. Auf Ansage von Big Brother drückt er dann alle paar Minuten auf den Knopf des Mitbewohners, den er schützen will. Anschließend leuchtet der Block Pass der entsprechenden Person grün, so dass alle Kandidaten über die Entscheidung informiert werden. Nachdem einige Bewohner geschützt worden sind, endet die Ceremony vorerst. Die finale Entscheidung fällt dann einen Tag später, wenn dieser Prozess wiederholt wird und nur noch zwei Bewohner übrig bleiben. Ihnen bestätigt der große Bruder nun, dass sie nominiert sind. Erst danach gesellt sich der HoH zum Rest des Hauses und erklärt erst dann seine Wahl vor versammelter Mannschaft.

Big Brother USA Safety Ceremony

Während der Safety Ceremony können sich die Bewohner frei bewegen, während der HoH seine Entscheidungen isoliert vom Rest trifft. (Foto: CBS Interactive)

Ziel dieser Änderung ist natürlich, den Zuschauern mehr und längere Einschaltimpulse zu geben. Der neue Nominierungsprozess wirkt allerdings unnötig in die Länge gezogen und durch die strikte Trennung der Bewohner auch äußerst unpersönlich. Darüber hinaus ist die Safety Ceremony gerade auch am ersten Tag wenig spannend, da keine relevante Entscheidung fällt und auch jeder geschützte Bewohner noch von den Zuschauern nominiert werden könnte. Auch die Bewohner scheinen sich nicht allzu sehr für die Safety Ceremony zu interessieren und nehmen die Entscheidungen nur nebenbei zur Kenntnis. Hier sollte man sich überlegen, ob man den Zuschauern an einem der beiden Tage nicht doch noch einen anderen Inhalt bietet – und sei es nur eine weitere Competition, mit der sich Belohnungen wie Partys erspielt werden können.

Weitere Sendezeiten bei Big Brother: Over The Top

Wen die Zuschauer nominiert haben, wird im Rahmen der Safety Ceremony übrigens nicht mitgeteilt. Dies wird erst nachgeholt, wenn die Bewohner ausgelost werden, die an der Veto Competition teilnehmen dürfen. Wann diese Ziehung genau stattfindet, wurde von CBS nicht kommuniziert. In der ersten Woche fand dies jedoch am Montag um 10:00 Uhr/13:00 Uhr statt. Viel später kann diese Entscheidung aber auch gar nicht getroffen werden, da die Veto Competition laut Plan montags um 13:00 Uhr/16:00 Uhr ausgetragen wird.

Big Brother Over The Top Sendezeiten

Der von CBS veröffentlichte Sendeplan für Big Brother: Over The Top war anfangs nicht vollständig. (Foto: CBS Interactive)

Einen Tag später findet um diese Uhrzeit auch das sogenannte Veto Meeting statt, bei dem der Gewinner der Veto Competition mitteilt, ob er das Veto nutzt und damit einen Bewohner von der Nominierungsliste nimmt. Sollte er einen vom HoH nominierten Bewohner auswählen, muss dieser einen Ersatzkandidaten auf die Liste setzen. 13:00 Uhr/16:00 Uhr ist für Zuschauer auch samstags ein wichtiger Termin, denn dann wird den Bewohnern mitgeteilt, wer zum „Have Not“ gewählt worden ist.

Wettkämpfe müssen mit geringerem Budget auskommen

Gerade bei den Wettkämpfen zeigt sich jedoch auch, dass Big Brother USA im Internet etwas kleinere Brötchen backen muss – und das nicht nur, weil die Zahl der wöchentlichen Competitions von drei auf zwei reduziert wurde. Während die TV-Staffeln zuletzt mit einer HoH Competition im liebevoll und aufwändig umgebauten Garten des Hauses starteten, die von den Bewohnern einiges an Kraft und Ausdauer abverlangen, wurden für den ersten Wettstreit der Online-Staffel lediglich ein Getränk, eine Käfer-Halskette sowie T-Shirts für zwölf der 13 Bewohner benötigt. Statt einer Ausdauer-Challenge (vergleichbar mit der Erdbebenwand unserer neunten Staffel, die ursprünglich aus den USA stammt) wurde nämlich ein psychologisches Spiel durchgeführt.

Big Brother USA Endurance Competition

Ein Ausdauerwettstreit der vergangenen TV-Staffel (Foto: CBS)

Im Wohnzimmer tauchte eine geheimnisvolle blaue Flüssigkeit mit dem Hinweis auf, dass nur einer dieses Getränk zu sich nehmen darf. Als nach etwas Zögern schließlich ein Bewohner zugegriffen hatte, informierte Big Brother ihn, dass er mit dem „BB Bug“ infiziert ist, nicht mehr HoH werden kann und ein schwarzes Shirt mit rotem Käferaufdruck tragen muss. Beim Ertönen eines Signals musste er zudem einen Mitbewohner seiner Wahl infizieren, indem er ihm oder ihr die Käferkette überreicht. Auch dieser Bewohner konnte nicht mehr HoH werden, aber beim nächsten Signal ebenfalls jemanden infizieren. Dies ging solange weiter bis nach 24 Stunden nur noch ein Bewohner übrigblieb, der somit zum Head of Household wurde.

Unterhaltung auch ohne Kulissen und Kostüme

Auch die nachfolgenden Competitions wurden deutlich einfacher gehalten als zuletzt im TV. Dass die Wettkämpfe bislang ohne besondere Kulissen oder Kostüme auskommen und damit im Vergleich zu den TV-Wettkämpfen billig wirken, mag ebenfalls den ein oder anderen stören. Wer sich jedoch vom Glanz nicht täuschen lässt, kann in Big Brother: Over The Top durchaus Gold finden. Die Wahl zwischen keine (oder kaum) Live-Competitions und einfach gehaltenere Competitions sollte ohnehin niemandem wirklich schwerfallen. Auch in den ersten amerikanischen Staffeln von Big Brother USA kamen die Duelle noch mit geringeren Mitteln aus ohne dass der Spaß zu kurz gekommen ist. Dass auch einfachere Spiele einiges an Ausdauer abverlangen können, zeigte zudem die zweite HoH Competiton. Bei dieser mussten die Bewohner mit einem langen Degen eine Pappkrone an eine Pappfigur drücken. Eine Entscheidung fiel erst nach zwei Stunden stehen mit ausgestrecktem Arm.

Big Brother Over The Top Endurance Competition

Ein Ausdauerwettkampf der aktuellen Online-Staffel (Foto: CBS Interactive)

Zudem lässt sich der vermeintliche Nachteil des geringeren Budgets mit kreativen Tricks durchaus in einen Vorteil umwandeln. So kam die erste Veto Competition zwar nur mit einem Tresor aus, ausgetragen wurde diese aber im gesamten Haus. Dort mussten die Bewohner nämlich Hinweise zum Code finden, der den Tresor zum Veto öffnet. Mit vier verschiedenen Kameraperspektiven, die sich auch alle gleichzeitig einblenden lassen, war dies eine perfekte Competition für den Live-Stream.

Big Brother Over The Top Competition

Praktisch: Dank vier Kameraperspektiven verpassen die Fans nichts. (Foto: CBS Interactive)

Doch nicht nur bei den Competitions, sondern auch beim Preisgeld für Big Brother: Over The Top werden Abstriche gemacht. Werden beim Finale im Fernsehen jedes Jahr 575.000 Euro vergeben (500.000 Euro für den Gewinner, 50.000 für den Zweitplatzierten und 25.000 Euro für den Liebling der Zuschauer), gibt es im online nur 250.000 Euro für den Sieger. Gekürt wird der Gewinner übrigens schon nach 65 Tagen anstatt nach 99 Tagen, wie es zuletzt im TV der Fall war.

Zweimal pro Woche: Live-Sessions im Sprechzimmer

Ein weiterer wichtiger Termin für Big Brother-Fans ist zudem dienstags und freitags steht zudem als Ergänzung um 23:00 Uhr/20:00 Uhr die Sendung „Live Diary Room“ auf dem Programm, in der die Bewohner-Statements aus dem Sprechzimmer live übertragen werden. Eine Big Brother-Stimme hört man hierbei nicht, stattdessen lesen die Bewohner Fragen von einem nicht sichtbaren Monitor ab und beantworten sie direkt. Das mag etwas ungewohnt wirken, sofern man nicht ohnehin täglich „Kommentare kommentieren“- und „FAQ“-Videos auf YouTube guckt, doch die Übertragungen aus dem Sprechzimmer sind eine willkommene Ergänzung zu den Szenen, die man im Fernsehen oder online im Weekday Replay oder den wöchentlichen Episoden sieht. In diesen geben die Bewohner immer seltener Einblicke in ihre Denkweise, wiederholen dafür schreiend die Erklärungen der Wettkämpfe, reißen einen flotten Spruch oder fassen die eben gezeigten Szenen nochmals zusammen und fungieren so eher wie ein Erzähler. Bei ihren Besuchen im Sprechzimmer werden die Bewohner teilweise sogar gebeten, bereits getätigte Aussagen besser zu formulieren. Dadurch wirkten die Sprechzimmer-Szenen im TV immer etwas gescriptet. Nicht so online. Dort werden die gestellten Fragen offen und ausführlich beantwortet, womit diese Sprechzimmer-Szenen auch stets recht erkenntnisreich sind.

Big Brother Over The Top Diary Room

Sekunde, ich muss die nächste Frage vorlesen. (Foto: CBS Interactive)

Big Brother Live-Stream mit Rückspulfunktion

Big Brother Live-Feed Flashback

Dank Flashback sind Zeitverschiebungen kein Problem mehr (Foto: CBS Interactive)

Mit der festgelegten Senderstruktur hätten die Produzenten gerade jenen Big Brother-Zuschauern Orientierung bieten, die nicht 24/7 den Live-Stream verfolgen können oder wollen. Sie wissen anhand des Sendeplans schließlich ganz genau, zu welchen Uhrzeiten sie einschalten müssen, um zumindest die wichtigsten Ereignisse zu sehen und so die bisherigen TV-Episoden adäquat zu ersetzen. Doch abgesehen von einem kurzen, nicht gerade prominent verlinkten Erklärartikel vor dem Start der Staffel gibt es im Grunde keine Hinweise auf den Sendeplan. Auf eine Vorstellung von Features wie die Rückspulfunktion wurde verzichtet, wohl auch weil es sich hierbei um keine neuen Funktionen handelt.

Entsprechend ist aber wenig verwunderlich ist, dass die bisherigen „TV only“-Zuschauer vom Angebot enttäuscht sind und denken, sie müssten die Übertragung tatsächlich mehrere Stunden gucken, um auch etwas von der Staffel zu haben. Dass es Sprungmarken zu besonders sehenswerten Szenen sowie eine Rückspulfunktion gibt, wissen sie in den meisten Fällen nicht. Manche Zuseher haben noch nicht einmal verstanden, dass es zumindest eine TV-ähnliche Episode pro Woche gibt und dachten, sie müssten immer mit den kurzen Weekday Replays vorlieb nehmen. Diesen Ärger hätte man mit einer besseren Kommunikation durchaus vermeiden können.

Eigene Tageszusammenfassungen mit Sprungmarken

Auch die Rewind-Funktion des Live-Streams wurde vor dem Start der Staffel nicht nochmals extra beworben. Auch das dürfte ein Fehler sein, wenn man neue Zuschauer erreichen will. Mit dieser Funktion ist es nämlich gar nicht notwendig, seinen Alltag nach dem Sendeplan auszurichten. Sollte man einmal keine Zeit für den großen Bruder haben, lässt sich nämlich dank Rewind-Funktion ganz einfach zu jedem beliebigen Zeitpunkt in der Staffel zurückspringen und so wichtige Entscheidungen in der Wiederholung sehen. Unter der Woche stellt CBS All Access zudem Sprungmarken zu den wichtigen, lustigen oder kontroversen Ereignissen bereit.

Big Brother USA Live-Stream

Reise in die Vergangenheit: Mittels Sprungmarken können wichtige Ereignisse nochmals in voller Länge gesehen werden. (Foto: CBS Interactive)

Das ist ein immenser Vorteil gegenüber dem Premiere-Container und gerade als Zuschauer aus Deutschland merkt man schnell, wie gut durchdacht das Sendekonzept ist. Schließlich muss man nicht um vier Uhr morgens aufstehen, um die wichtigsten Ereignisse live mitzuerleben, sondern guckt sich ganz bequem am Abend die kurze Zusammenfassung an, klickt sich durch die ausgewählten Sprungmarken oder spult selbst zu den Zeiten, die im Sendeplan oder in Fanforen genannt werden. Letzteres ist besonders am Wochenende hilfreich, wenn der Sender selbst keine Sprungmarken bereitstellt.

Big Brother: Over The Top – Eine Staffel für die Fans

Die Macher scheinen es aber durchaus verschmerzen zu können, wenn sich bisherige TV-Zuschauer von der Online-Staffel schnell wieder abwenden, weil es sie sich etwas Ähnliches wie die TV-Staffeln erwartet hatten. Was den Erfolg von Big Brother: Over The Top anbelangt, wurde die Latte vor dem Start der Staffel nämlich nicht gerade hoch gelegt. „Wenn wir die gleiche Anzahl an Abonnenten vom Sommer halten könnten, wird Over The Top ein großer Erfolg“, erklärte Moderatorin Julie Chen noch vor dem Start der Staffel. Und nach knapp 1,5 Wochen wird recht deutlich, dass diese Staffel tatsächlich für Superfans produziert wird.

Dass Abonnenten nun auch den Einzug aller Bewohner, die ersten Tage im Haus, alle Competitions, Entscheidungen sowie auch die Vorbereitungen der Bewohner nun live sehen können, ist da natürlich ein großes Plus gegenüber den bisherigen Staffeln. Dass bei den Wettkämpfen etwas gespart wird, fällt da nicht sonderlich ins Gewicht, zumal auch beim amerikanischen Format die zwischenmenschlichen Beziehungen im Mittelpunkt stehen – selbst wenn oder auch gerade weil taktische Spielchen an der Tagesordnung sind. Das gilt umso mehr für den Live-Stream, der seit jeher mehr Einblicke in die Persönlichkeiten der Bewohner gab und nicht nur wie die TV-Shows zum größten Teil strategiegetriebene Gespräche zeigt. Gerade aufgrund dieser zum Fernsehen komplementären Funktion erfreute sich der Live-Stream in den USA in den vergangenen Jahren großer Beliebtheit. Das ist bei Big Brother: Over The Top nicht anders, zumal die Bewohner, die übrigens von einem anderen Team als bei den TV-Staffeln gecastet worden sind, durchaus zu gefallen wissen und für viel Gesprächsstoff sorgen. So gab es erst am Samstag (8. Oktober), einen großen Zoff unter den Bewohnern, bei dem kein Blatt vor den Mund genommen wurde. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob Bewohner Monte rassistisch sei nachdem sich dieser fragte, ob ein farbiger Mitbewohner seiner Klamotten gestohlen hätte.

Big Brother Over The Top Blackout

Von wegen keine Blackouts: Kurz vor Competitions wird die Übertragung unterbrochen. (Foto: CBS Interactive)

Allerdings machte sich an den ersten Tagen auch bei eingefleischten Live-Zuschauern stellenweise Enttäuschung breit. Das lag auch daran, dass sich die Macher nicht vollständig an ihren eigenen Sendeplan gehalten haben. So wurde die erste HoH Competition beispielsweise erst am Donnerstag abgehalten, damit sich die Bewohner erst einmal einleben können. Während dies von Moderatorin Julie Chen noch ohne genauere Uhrzeit angekündigt wurde, ließ man die Zuschauer in Sachen Live-Sessions im Sprechzimmer komplett im Unklaren. Erst als sich Fans in den sozialen Netzwerken bemängelten, dass gar nicht aus dem Sprechzimmer übertragen werde, kam seitens der Macher die Information, dass diese Sprechzimmer-Sessions erst in der zweiten Woche starten. Ein weiterer Punkt der in den Foren stellenweise für Verärgerung sorgte: Kurz vor der ersten Veto Competition wurden entgegen den ursprünglichen Ankündigungen doch alle Streams für kurze Zeit geblockt.

Fazit: Wie gut ist Big Brother: Over The Top

Trotz kleinerer Schwächen beweist Big Brother: Over The Top, dass Big Brother auch ohne TV-Show funktioniert und damit ein Modell für die Zukunft wäre – ganz im Gegensatz zu einem Big Brother mit TV-Show, aber ohne Live-Stream. Gerade mit dem amerikanischen Konzept und den Features des amerikanischen Live-Streams werden ausführliche Tageszusammenfassungen nun wirklich nicht mehr benötigt, wenn man sich eine Art individualisierte Zusammenfassung mit den Sprungmarken und werktäglichen Highlightvideos selbst zusammenstellen, immer wieder ansehen und eine durchaus klassische Big Brother-Staffel genießen kann – ganz ohne Show, dafür aber mit viel von dem, was Big Brother im Kern tatsächlich ausmacht.

Dass sich die Online-Staffel von seinem großen TV-Bruder durchaus in einigen Punkten unterscheidet, ist ein weiterer Pluspunkt. Wer will schließlich schon zwei ähnliche Staffeln direkt hintereinander verfolgen? Hier hilft auch, dass die Produzenten bei den Wettkämpfen mit neuen Spielen Abwechslung reinbringen und bei Big Brother: Over The Top gänzlich neue Elemente wie die zahlreichen Votings präsentieren, die dem Haus eine andere Dynamik verleihen. Im Gegenzug werden beliebte Elemente aus den TV-Staffeln wie der Roboter Zingbot, der einmal pro Jahr das Haus für eine Competition besucht und den Bewohnern fiese Sprüche reindrückt, oder die OTEV Competitions in der Online-Staffel übrigens nicht zu sehen sein.

Big Brother USA Zingbot OTEV

Bleiben den TV-Staffeln vorbehalten: Zingbot und OTEV (Foto: CBS)

Zudem lernen die Macher auch aus ihren Fehlern in der ersten Woche. Nach den Beschwerden auf den sozialen Netzwerken wurden alle Fragen der Zuschauer zum Ausstrahlungskonzept ausführlich beantwortet, die Features nochmals detailierter erklärt sowie ein ausführlicherer Sendeplan veröffentlicht. Dieser enthält nun sogar die Termine für alle Votings, die im Laufe einer BB-Woche stattfinden, und wird auch täglich auf den sozialen Netzwerken beworben.

Was steht für Big Brother USA auf dem Spiel?

Auch wenn die Online-Staffel uns überzeugt: Ob Big Brother: Over The Top tatsächlich ein Erfolg wird, bleibt freilich erst einmal abzuwarten. Im besten Fall können sie sich künftig auf zwei Staffeln pro Jahr freuen: eine fürs Fernsehen und eine für den Live-Stream produzierte Staffel. Zudem könnte Big Brother: Over The Top auch weltweit den Weg für weitere Online-Ausgaben bereiten. Doch auch wenn das Experiment Big Brother: Over The Top am Ende scheitert, müssen sich amerikanische Fans keine großen Sorgen machen. CBS hat schließlich bereits zwei weitere TV-Staffeln bestellt hat, die regulär im Sommerprogramm des Senders laufen werden. Im schlechtesten Fall wäre somit lediglich die Online-Variante nach einer Staffel wieder beendet.

Damit würde die Online-Staffel ihr Schicksal mit Big Brother China teilen. Im Land des Lächelns lief auf dem YouTube-Klon Youku Ende 2015 eine Pilot-Staffel, die in Südindien vorproduziert wurde und lediglich ein Live-Finale hatte. Entsprechend wurde auf dem Online-Portal kein Live-Stream veröffentlicht, sondern wöchentlich zwei Folgen, die je einen von insgesamt zwölf Tagen abdeckten. Eine vollwertige Staffel soll zwar folgen, doch um die wurde es inzwischen erstaunlich still.

Big Brother: Over The Top kann nur mit einem Abo bei CBS All Access angesehen werden, für das eine amerikanische IP-Adresse sowie eine amerikanische Kreditkarte oder eine amerikanische AMEX-Geschenkkarte benötigt wird. Andernfalls lässt sich der Dienst nicht abonnieren. Ist das gegeben, lässt sich CBS All Access über den Browser am PC sowie auch über Apps für mobile Geräte als auch TV-Boxen und Fernseher ansehen.

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