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Die BBfun-Kolumne: nuvolas Sicht auf die BB-Dinge

Die lange Zeit des Wartens, des Haderns und der Langeweile ist endlich vorbei!

Am vergangenen Montag versammelten sich zahlreiche Zuschauer vor den heimischen Fernsehgeräten und wurden Zeuge eines einzigartigen Erlebnisses. Big Brother, ein TV-Format, das vor gut 10 Jahren noch absolutes Neuland in der deutschen Fernsehlandschaft war, ging in die zehnte Runde. Zehn Staffeln Big Brother! Eigentlich unglaublich, wenn man bedenkt, wie sich Anno 2000 zahlreiche Moralapostel über den Container bei Köln echauffierten und diesen am liebsten mit den eigenen Händen sofort wieder eingerissen hätten – altes Gejaule von bornierten Besserwissern, auf dem sich mittlerweile der Staub von zehn Jahren Fernsehunterhaltung der ganz besonderen Art breit gemacht hat. Wen interessiert noch das Geschwätz von gestern? Ohne Big Brother geht es einfach nicht mehr!
So dürfte der Zuschauer daheim auf der Couch oder auch live im Studio frohlockt haben, als Moderatorin Aleksandra Bechtel uns in der großen Einzugsshow versprach, dass Big Brother 10 die beste, härteste und spannendste Staffel aller Zeiten werden würde und die mit Abstand besten Bewohner zu bieten habe, die jemals gecastet wurden. Also sozusagen die Elite unter den Big Brother-Bewerbern – fein säuberlich auserwählt, um das Volk auf höchstem Niveau zu unterhalten und zu amüsieren. Balsam für die Seele, nachdem in den letzten Staffeln immer wieder über die Auswahl der Kandidaten an jeder Ecke gemeckert wurde und jeder zweite Zuschauer verzweifelt vor dem Fernseher auf dem Teppichboden robbte und nach authentischen Big Brother-Bewohnern wimmerte. In unseren Alpträumen wurden wir heimgesucht von überdimensionalen, eingeseiften Brüsten und dem Gesang von aufstrebenden Laiensängerinnen, die sich durch ihren Auftritt bei Big Brother einen Plattenvertrag versprachen. All dies sollte nun ein Ende haben. Schämt euch nicht, wenn euch nach Aleks Versprechen Tränen der Freude über die Wangen gerannt sind. Stellt sich nur die Frage, wie lange ihr noch aus Freude weint.

Aber werfen wir doch mal einen Blick auf die besten Bewohner aller Zeiten, die es aus unerklärlichen Gründen in keiner der vorherigen Staffeln ins Haus geschafft haben und natürlich auch auf ihre Behausung.

In dieser Staffel gibt es schließlich nicht nur ein Big Brother-Haus! Keine Kosten und Mühen wurden gescheut, um neben einer abgefahrenen Luxusbude auch noch ein, sagen wir mal, etwas preisgünstiges Secret-Haus zu errichten. Ein Secret-Haus, das klingt spannender als es eigentlich ist. Eine Bruchbude, vollgestellt mit dem alten Gerümpel diverser Big Brother-Mitarbeiter und ehemaliger Bewohner. „Bringt uns so viel Sperrmüll, wie nur möglich. Wir errichten daraus eine heimische Behausung für unsere neuen Bewohner“ wird da wohl die Ansage gewesen sein. Aber sagen wir es, wie es ist: Wer ins Secret-Haus einzieht, der hat schon mal so richtig ins Klo gegriffen. Und das merkte man auch den Gesichtern der vornehmlich weiblichen Kandidaten an, die die Messie-Bude am Montag bezogen.
Erotik-Sternchen Cora war die erste, die sich im Messie-Haus wortwörtlich niederließ und sich auch in den nächsten Stunden nicht mehr bewegen wollte oder konnte. Es folgten das aufstrebende „Lachen ist uncool“-Fotomodel Pisei, Kristina, die sich kurz vorm Einzug noch eben schnell etwas Silikon in die Brust gesteckt hat, Daniela Katzenbergers Mutti Iris, Studentin Eva und zu guter letzt noch Uwe.
Uwe? Ein Ladyboy, der vergessen hat, sich ’nen sexy Künstlernamen zu zulegen? Aber nein…Uwe ist das arme Schwein, welches Big Brother dazu auserkoren hat, als einziger Mann mit einer Horde Weiber in einer ungemütlichen Bruchbude zu hausen. Was für den männlichen BB-Zuschauer im ersten Moment wie der Himmel auf Erden klingt, ist in Wirklichkeit die wohl mit Abstand härteste Challenge, der Uwe sich in seiner bevorstehenden Big Brother-Zeit stellen muss. Egal, wie hart Big Brother auch immer wird: an Härte ist diese Situation nicht zu überbieten. Naja, vielleicht doch.
Als ich dann am Montag irgendwann einen Blick in das besetzte Secret-Haus warf und ich dabei an Aleksandras Worte zu Beginn der Sendung dachte, beschlich mich ein ungutes Gefühl. Ich verspürte das Verlangen, mich vor dem TV-Gerät aufzubauen und Frau Bechtel der schamlosen Lüge zu bezichtigen. Silikonbrüste sprangen mir entgegen, steife Nippel, die frech durch durchsichtige Oberteile schielten, Plastikhaare die bis zum Arsch hingen wie weichgekochte Nudeln. Das waren sie also: die authentischen Bewohner – das Beste, was 10 Staffeln Big Brother zu bieten haben.

Mir lief ein Schauer über den Rücken und ich leerte meine Bierdose in einem Zug.

Ein Hoffnungsschimmer blieb aber noch, nämlich das richtige Big Brother-Haus – der obligatorische Luxusschuppen, in dem sich sechs weitere Kandidaten breit gemacht hatten. Diesmal fünf Männer und eine Frau. Okay, das klingt für den männlichen Zuschauer dann doch eher nach siebtem Himmel. In diesem Himmel versammelten sich zunächst das schwule Pärchen Harald und Carlos, der Möchtegern-Sunnyboy Daniel, das wandelnde Bilderbuch Horst, der Neu-Obdachlose Pluto und Model Micaela. Gucken wir mal, dachte ich mir und nahm die Auswahl genauer unter die Lupe. Ein 19-Jähriger ohne Schulabschluss, der sich selbst in naher Zukunft als Schauspieler sieht und auch mal zwei Mädels hintereinander in einer Nacht vernascht, ein 30-jähriger Mann, der sich nach einem orangefarbenen Zeichentrickhund benannt und sich spontan im Sommer 2009 zum Leben auf der Straße entschieden hat. Im Sommer schien ihm das wohl gefallenen zu haben, aber den Winter verbringt er dann wohl doch lieber gut und warm untergebracht vor zahlreichen Kameras. Mich würde ja mal interessieren, was die echten, harten Straßenkids, die in Bauruinen hausen und den Tag mit ’nem Sechserträger Hansa Pils beginnen, von diesem Pluto halten.
Dann noch Carlos und Harald: schwul und HIV positiv. Wir sehen, Big Brother traut sich was. Man stelle sich nur vor, Carlos und Harald hätten vor knapp zehn Jahren gemeinsam mit Jürgen und Zlatko zu den Bewohnern der ersten Stunde gezählt. Jeder Gegner des TV-Formats wäre innerhalb weniger Sekunden rosa angelaufen und implodiert. Aber heute ist das alles kein Problem mehr. Für die meisten zumindest. Tattoo-Bilderbuch Horst ging mit dieser Tatsache nicht wirklich locker um. Kaum im Haus, entschied er sich nicht mal 24 Stunden wieder zum Auszug. Er geht das Thema Aids und HIV einfach zu ernst an und für ernste Gedanken ist im BB-Haus einfach kein Platz. Tschüß Horst…Hallo Tobias. Der rückte nämlich als Ersatzkandidat nach und stellte kaum eingezogen auch gleich fest, dass er erstmal brechen gehen muss. Das nenn ich einen geglückten Start!
Bevor ich sie vergesse, komm ich noch schnell auf Micaela zu sprechen. Ich weiß nicht warum, aber ich habe das Gefühl, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Bata Illic vorbei kommt, um ihr ein Ständchen zu singen. Ein unbeschriebenes Blatt ist Micaela schließlich nicht. So versuchte sie ihr Glück bereits in Heidi Klums Modelschmiede, kämpfte mit „Vox-Superstar“ Daniela Katzenberger um den Titel der Miss Malle und versucht derzeit, als weiblicher DJ der Extra-Klasse in die Fußstapfen der Giulia Siegels und der Naddels dieser Welt zu treten. Viel Glück dabei…oder auch nicht.
Erstmal bleibt Micaela mit ihren fünf Mitbewohnern und den restlichen Unglücksraben, die nur einen Steinwurf entfernt im Secret-Haus ihr Dasein fristen, Eigentum vom Großen Bruder. Ich bin mir trotzdem noch nicht sicher: Ist sie das? Ist das die Elite, auf die wir die letzten Staffeln so sehnsüchtig gewartet haben? Sind das die Bewohner, die uns restlos glücklich machen oder muss Big Brother in ein paar Wochen wieder den „Reload“-Button drücken?

Ich setz mich jetzt vor die Glotze, kuschel mit ’ner Dose Bier und warte darauf, dass die Bewohner sich langsam warm laufen und dass ich mit den Bewohnern warm werde. Der erste Stress, das erste Drama im Haus…es kann nur noch eine Frage der Zeit sein – hoffe ich zumindest. Wehmütig denke ich an großartige Szenen der vergangenen Staffeln zurück und irgendwo singt Jürgen Milski seinen neuesten Mallorca-Hit. Es kann einfach nur besser werden, schließlich steckt die beste Big Brother-Staffel aller Zeiten noch in den Kinderschuhen.

Bis demnächst,
Eure Kampfgurke

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