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Big Brother weltweit
Grande Fratello: Big Brother Italien feierte sein Comeback

In den letzten Monaten des Jahres 2015 gab es in Italien zuletzt eine Big Brother-Staffel mit weitestgehend unbekannten Bewohnern. Nach zwei erfolgreichen Promi-Runden wagt sich der Sender nun wieder eine Normalo-Variante. Bei der am Dienstag gestarteten Staffel lassen sich auch einige internationale BB-Trends feststellen.

Reality-Shows feiern einen Boom im italienischen Fernsehen und auch Grande Fratello, so nennt sich der große Bruder in Italien, erlebte mit einem Promi-Ableger in den letzten Jahren so etwas wie einen zweiten Frühling. Nachdem die Nachdem die 14. Normalo-Staffel im Jahr 2015 zwar ordentlich lief, aber nicht die Erwartungen von Canale 5 erfüllte, plante der Berlusconi-Sender um. Sicher auch inspiriert vom Erfolg von Promi Big Brother 2014 in Deutschland startete der Kanal mit Grande Fratello VIP ein italienisches Pendant zum Sat.1-Format. Den Quoten des großen Bruders tat das durchaus gut: Schon die erste Promi-Ausgabe kletterte über die Marke von vier Millionen Zuschauern, Staffel 2 im letzten Jahr kratzte gar an den fünf Millionen.

Angesichts dieses Erfolges und dem Heißhunger der Italiener auf Reality TV entschied sich Canale 5 nun, die Normalo-Variante von Grande Fratello neu aufzulegen und zusätzlich zur Promi-Ausgabe zu zeigen. Start der inzwischen 15. Staffel war am Dienstag mit 17 neuen Bewohnern. Das Big Brother-Haus hat hierfür einen neuen Anstrich erhalten, die Aufteilung des Hauses selbst blieb jedoch gleich. (Eine Bildergalerie findet ihr auf der offiziellen Webseite).

Auch eine Art armen Bereich gibt es wieder im Haus. Während er letztes Jahr noch wie ein alter Personenzug gestaltet war, präsentiert er sich nun jedoch als versifftes Strandhaus inklusive Sand statt Gras im Freiluftbereich. Wie bei den deutschen Promi-Staffeln ist der arme Bereich für die meiste Zeit komplett abgetrennt vom restlichen Wohnbereich. Doch regelmäßig erlaubt es auch der italienische große Bruder den Kandidaten, Kontakt zu ihren Mitbewohnern aufzunehmen.

Doch nicht nur der arme Bereich ist eine Übernahme aus internationalen Staffeln wie den USA oder Deutschland. Mit der neuen Staffel folgt Grande Fratello gleich mehreren weltweiten Big Brother-Trends.

Auf die Länge kommt es nicht (mehr) an

Wenn in Deutschland eine Normalo-Staffel nur für 100 Tage angesetzt wurde, galt sie als äußerst kurz. International gesehen, wäre das international gesehen jedoch ein ziemlich langer Zeitraum. Als Bulgarien 2015 die Normalo-Variante einmalig zurückholte, mussten die Bewohner gerade einmal 26 Tage im Haus verbringen, ehe der Gewinner bereits feststand. In Südafrika waren es im gleichen Jahr immerhin 56 Tage. In den kommenden Jahren folgten schließlich auch Großbritannien (50 bzw. 54 Tage in 2016 und 2017) und Kroatien (50 Tage in 2016) mit kürzeren Staffeln.

In diese Gruppe reiht sich nun auch Grande Fratello ein. Kurios: Die Normalo-Staffel ist damit deutlich kürzer als die 85-tägige Promi-Staffel im letzten Jahr.

Der Live-Stream verliert für die Macher an Bedeutung

Als das britische Big Brother 2011 von Channel 4 zu Channel 5 wechselte, verzichtete der neue Sender auf einen Live-Stream aus dem Haus – sehr zum Ärger der Fans natürlich. International starteten die Briten damit aber einen Trend. So verzichtete beispielsweise Australien bei seiner Neuauflage auf ein Live-Angebot, in Deutschland gab es für die erste Promi-Staffel nur ein zweistündiges Live-Fenster und im vergangenen Jahr schließlich gar kein Live-Signal mehr. Auch die spanischen Macher wollten 2017 den Live-Kanal streichen, ruderten nach schlechten Quoten und massivem Fanprotest jedoch nach einigen Wochen wieder zurück.

Auch Italien spart sich eine 24-stündige Übertragung aus dem Grande Fratello-Haus, hat aber einen Kompromiss gefunden, mit dem wohl die meisten Fans anfreunden könnten: Immerhin von 10 Uhr bis 02:00 Uhr wird live aus dem Haus auf zwei Kanälen gesendet. Großes Trostpflaster ist außerdem die Tatsache, dass online gleich zwei kostenlose Streams aus dem Haus gibt.

Ohne Halb-Prominenz geht es nicht mehr

Ein weiteres Dilemma, das auch deutsche Big Brother-Zuschauer zu gut kennen: Selbst Normalo-Staffeln kommen inzwischen nicht mehr mit Bewohnern aus, die den Zuschauern bereits vor dem Start bekannt waren. So zogen in der 11. deutschen Staffel Z-Promis wie Valencia Stöhr und Lisa Bund ins Haus ein. Staffel 12 war dann nicht mehr ganz so prominent besetzt, hatte aber mit Social Media-Stars wie Tim Heilig ebenfalls Bewohner mit Medienerfahrung. In den USA zog bereits Frankie Grande, Bruder der Pop-Sängerin Ariana Grande ins Haus, im UK waren zehn Bewohner teils bereits in mehreren Reality-Formaten zu sehen.

Auch in Italien sind einige Bewohner der Normalo-Staffel keine Unbekannten. Unter ihnen befinden sich eine Miss Italia, der italienische “menschliche Ken”, eine Promi-Tochter sowie eine Bewohnerin mit einem prominenten Schwiegervater. Sie war zudem wegen einer möglichen Affäre mit einem der aktuellen Bewohner in den Schlagzeilen, der wiederum der Freund einer bekannten Politikerin ist. Drei weitere Bewohner sind ebenfalls mit Stars in einer Beziehung oder waren dies zumindest in der Vergangenheit. Kommende Woche wird wohl außerdem eine Bewohnerin des spanischen Big Brothers zu den Bewohnern stoßen, nachdem sie bereits in der Einzugsshow erste Auftritte hatte.

Kleiner Pluspunkt: Anders als die Briten verschweigen die Italiener nicht, dass der eine oder andere Bewohner bereits über Medienerfahrung verfügt. So wurde dies in den Vorstellungsfilmen und in Gesprächen der Moderatorin Barbara D’Urso thematisiert.

Keine Schonfrist mehr für die Bewohner

Die Medienwelt ist schnelllebiger geworden, das mussten auch die Big Brother-Macher erkennen und gewähren den Bewohnern kaum noch Zeit, sich einzuleben. Dass (wie einst in Deutschland) 3-4 Wochen bis zum Exit gewartet wird, sieht man nicht mehr. Selbst die sixx-Staffel hatte das erste Exitvoting bereits nach der ersten Woche. International geht man sogar einen Schritt weiter: Rauswürfe am ersten Tag werden immer häufiger, wie 2012 und 2017 in den USA oder auch 2015 im UK gesehen. Auch in Italien ging es direkt beim Einzug zur Sache: Schon vor dem eigentlichen Start lebten drei der männlichen Bewohner zusammen auf einer Farm. In der Auftaktshow zogen alle drei in das Grande Fratello-Haus ein, doch die Bewohner mussten in der ersten Nominierung direkt einen wieder nach Hause schicken. Die anderen beiden bleiben indes auf der Nominierungsliste und müssen sich in dieser Woche dem Zuschauervoting stellen.

Telefonvotings verlieren an Bedeutung

Apropos Zuschauervoting: Jahrelang galt das für Sender als ein großer Pluspunkt für den großen Bruder. Durch kostenpflichtige Anrufe und SMS konnten die Sender schließlich zusätzliche Einnahmen generieren, wovon Deutschland auch ausgiebig Gebrauch machte. Doch für Canale 5 in Italien hat das nicht mehr die höchste Priorität und so können die Zuschauer dort nicht nur per SMS, sondern auch per App oder online abstimmen. Nötig ist dafür lediglich eine kostenlose Registrierung.

Auch hiermit springen die Italiener auf einen internationalen Trend auf. In den USA und Kanada, wo Zuschauer jedoch nur minimalen Einfluss auf das Spielgeschehen haben, finden die wichtigsten Votings bereits seit Jahren online statt. Auch Brasilien ermöglichte schon länger die Online-Stimmabgabe parallel zum Telefonvoting und schaffte in diesem Jahr die Abstimmung per Anruf sogar ganz ab.

Dieser Schritt ist nicht gerade unklug: Zwar entgehen den Sendern damit zusätzliche Einnahmen, doch durch die Registrierung kommen sie so an etwas, das nicht weniger wertvoll ist: Die Daten der Zuschauer, die durch zielgerechte Werbung zu Geld gemacht werden kann.

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