Big Brother's Big World
Big Brother Schweden

© TV4

Big Brother 2020: Deutschland gegen Schweden – So unterschiedlich sind die Staffeln

Der Große Bruder ist zurück – nicht nur in Deutschland. Auch in Schweden ist am Montag eine neue Normalo Staffel gestartet, die Macher dort gehen jedoch einen anderen Weg als Sat.1 und wollen das Format erträglicher für die Teilnehmer machen.

Deutschland und Schweden haben eine Menge gemeinsam – zumindest in der Big Brother-Welt. In beiden Ländern ist der Große Bruder im Jahr 2000 gestartet, in beiden Ländern gab es 2015 einen erfolglosen Versuch, die Show zurück zu bringen. Und nun wagen sich beide Länder gleichzeitig an einer Weiterentwicklung der Show. Und auch wenn beide am 10. Februar gestartet sind und 100 Tage dauern, könnten Big Brother Deutschland und Big Brother Schweden nicht unterschiedlicher sein.

Sat.1 und EndemolShine Germany bleiben in der aktuell laufenden 13. Normalo-Staffel den Wurzeln des Großen Bruders treu, geben dem Sozialexperiment einen neuen Spin. Statt Menschen einfach nur dauerhaft zu beobachten, sollen die Zuschauer nun die Bewohner auch dauerhaft bewerten. In den 100 Tagen Big Brother Deutschland wird daher auch die Frage beantwortet, wie Menschen mit Bewertungen ihrer eigenen Person und ständigem Feedback umgehen.

Big Brother Sverige möchte mehr auf psychische Gesundheit achten

In Schweden hat sich der Sender TV4 dagegen vom Aspekt des Experiments verabschiedet. Als Grund führt der Sender Rücksicht auf die psychische Gesundheit der Bewohner an, die in vergangenen Staffeln nicht immer die beste gewesen sei. Die Neuauflage von Big Brother Sverige, die nunmehr achte Staffel in Schweden, legt daher einen größeren Fokus auf Matches und Konfliktlösungen.

Konkret sieht das so aus: Die Staffel ist in zwei Phasen unterteilt, einer Qualifying- und einer Finalphase. Während der Qualifikationswochen treten die Bewohner in diversen Matches an, die nicht wesentlich aufwendiger sind als das Match aus der deutschen Einzugsshow. So wurde in den vergangenen Tagen beispielsweise eine Büroolympiade durchgeführt mit Papierkugel-Zielwerfen und Bürostuhlrennen.

Einige Matches dienen dazu, das Preisgeld zu erhöhen. Bei anderen winken für den Sieg Belohnung oder Schutz vor dem Rauswurf. Wer dagegen ein Match verliert, muss entsprechend um seinen Verbleib im Haus bangen. Bewohner und letztendlich auch die Zuschauer sollen allerdings die Chance erhalten, Kandidaten zu schützen. In der Regel spielen die Bewohner in Matches zunächst um Nominierungsschutz. Anschließend können die geschützten Bewohner noch entweder per Gruppen- oder Einzelentscheidung Mitbewohner von der Liste nehmen. Die verbliebenen Teilnehmer auf der Exit-Liste müssen sich dann dem Zuschauervoting stellen. Der genaue Ablauf des Exit-Prozesses wird dabei jede Woche angepasst.

Nominierungen spielen erst in der Schlussphase eine größere Rolle

Weitere Besonderheit in der Qualifikationsphase: Das Haus wird stets mit neuen Bewohnern aufgefüllt, erst In der Finalphase ziehen keine Nachzügler mehr ein. Matches soll es dann zwar auch weiterhin geben, Nominierungen aber in den Fokus rücken.  Heißt: Die Bewohner nominieren und die Teilnehmer mit den meisten Stimmen müssen sich dem Voting der Zuschauer stellen.

Weitere Änderung, die dem psychischen Zustand der Bewohner verbessern sollen, betreffen die Gespräche über Nominierungen. Fortan können die schwedischen Kandidaten offen darüber sprechen, wen sie nominiert haben. Dies soll dabei helfen, bestehende Konflikte unter den Bewohnern zu lösen.

Ob diese Regeländerung dabei hilft, dass sich die Bewohner besser fühlen, können die schwedischen Fans rund um die Uhr verfolgen. Anders als in Deutschland gibt es dort nämlich einen Big Brother Live-Stream im Netz, bei dem Abonnenten sogar verschiedene Kameraperspektiven auswählen können. Besonders praktisch: Vormittags veröffentlicht der Sender einen groben Zeitplan für geplante Aktionen wie Matches oder Partys, so dass Fans nicht zwangsläufig rund um die Uhr vor dem Stream sitzen müssen.

Antisemitismus und Nazi-Skandal beim schwedischen Big Brother

TV4 und der kooperierende Pay-Anbieter C-More mussten aber bereits in der ersten Woche feststellen, dass ein Live-Angebot auch Risiken birgt. Über den 24-Stunden-Live-Kanal wurden nämlich antisemitische Äußerungen zweier Bewohner übertragen. Big Brother warf die beiden Bewohner zwar kurzerhand aus dem Haus, doch der Schaden für die Show war damit angerichtet. Der Vorfall dominiert die Schlagzeilen in Schweden.

Wenig hilfreich für den Sender ist, dass sogar ein Bewohner im Haus ist, der auf den sozialen Netzwerken des Öfteren Tattoos oder Kleidung mit Nazi-Symbolen und Codes aus rechtsextremen Kreisen zur Schau stellte. Laut dem schwedischen BB-Chef seien diese Tattoos inzwischen überstochen und der Bewohner hätte sich von Rassismus und Rechtsextremismus distanziert. Auch im Haus beteuerte der Bewohner, nichts mehr mit rechten Ideologien zu tun haben und schob seine Vergangenheit unter anderem auf mangelnde Bildung und Foren der Schwedendemokraten, die ein falsches Bild von der Welt vermitteln.

Normalo-Big Brother? Zahlreiche Bewohner haben bereits Medienerfahrung

Generell haben die schwedischen Macher kein so gutes Händchen bewiesen wie Sat.1 in diesem Jahr, auch wenn der schwedische Cast durchaus divers wirkt. Für wenig Begeisterung sorgte bei Fans auch die Tatsache, dass die schwedischen Macher den Begriff „normale Bewohner“ weit dehnen. Unter den Teilnehmern ist mit Antonia Johnson auch ein YouTube-Star mit mehr als 300.000 Abonnenten. Antonia hat zudem einen eigenen Eintrag in der schwedischen Wikipedia, moderierte einen Ableger der schwedischen Ausgabe von Paradise Hotel und war bereits für diverse Medienpreise nominiert.

Antonia ist dabei die erfolgreichste, aber nicht die einzige Teilnehmerin mit Medienerfahrung. Ein Mitbewohner ist regelmäßig auf TikTok unterwegs und hat dort bereits 42.000 Follower und 450.000 Likes gesammelt, einer der beiden rausgeworfenen Bewohner war dagegen schon häufig Gast in TV-Sendungen und Teil des Panels einer Diskussionssendung. Einer der beiden Nachrücker hat dagegen als Kandidat bei Masterchef Medienerfahrung gesammelt, die andere versucht sich derweil an einer YouTube-Karriere.

In Sachen Altersdurchschnitt gibt es übrigens keine großen Unterschiede. Die schwedische Produktion hat als Marschroute zwar ausgegeben, vorwiegend Bewohner im Alter von 20 und 30 Jahren zu suchen, doch auch ein 51-Jähriger und zwei 37-Jährige sind in das schwedische Haus eingezogen. Der Altersdurchschnitt lag zum Start bei 29,58 Jahren, hierzulande ist er mit 29,57 Jahren praktisch identisch.

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