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Get The F*ck Out Of My House

Get The Fuck Out Of My House Kritik

© ProSieben/Willi Weber

Big Brother in extrem… langweilig: Die Kritik zum Start von GTFOOMH

Nach langem Warten startete am Donnerstag endlich die neue ProSieben-Show Get the Fuck out of my House. Wer jedoch Krawall erwartet hat, wurde ebenso enttäuscht wie Zuschauer, die einfach eine spannende Sendung sehen wollten. Beides lieferte der Sender nicht.

Die Deutschen sind – ganz sicher nicht ausnahmslos – ein zivilisiertes Völkchen. Ganz im Gegensatz zu Frankreich, wo eine Demonstration erst mit brennenden Autos tatsächlich eine Demonstration ist. Und auch die Niederländer sind nicht immer so freundlich wie Frau Antje es mit ihrem Lächeln in der Werbung vorgaugelt. Das haben schon das Randale-Format Der goldene Käfig und zuletzt Get the F*ck out of my House bei RTL5 gezeigt, bei dem sich die Bewohner geprügelt und gebissen haben.

Offiziell geht es bei der Sendung aber gar nicht darum zu zeigen, dass der Mensch vom Affen abstammt und sich in vielen Fällen auch gar nicht merklich weiterentwickelt hat. Stattdessen handelt es sich um ein simples Reality-Experiment, das als Big Brother in extrem bezeichnet werden kann. 100 Personen ziehen in ein Haus, das nur für vier Personen gedacht und entsprechend auch nur Platz und Einrichtung für vier Personen bietet. Die Bewohner können jederzeit freiwillig gehen oder werden unter Umständen von einem Mitbewohner aus dem Haus geworfen. Wer am längsten in dem Haus aushält, gewinnt.

Get the F*ck out of my House startet in Deutschland

ProSieben sicherte sich schnell die Rechte an der Show, ließ sich nach dem Dreh aber ungewöhnlich lange Zeit bis zur Ausstrahlung. Ein Zeichen, dass die Sendung wohl doch nicht so gut geworden ist wie das Demo-Tape der Macher versprochen hat. Dabei hätte man sich schon vor Drehbeginn fragen können, ob eine Sendung wie Get the F*ck out of my House in Deutschland überhaupt so rüpelhaft werden kann wie in den Niederlanden? Schließlich wird sich hierzulande für gewöhnlich nur einmal im Jahr am 1. Mai zu einer großen Randale in Berlin getroffen, während Demonstrationen sonst eher wegen zweifelhaften Reden oder Transparente in die Schlagzeilen kommen. Nach der ersten Folge von Get the F*ck out of my House lässt sich diese Frage kurz beantworten: Nein.

Während sich in den Niederlanden schon nach wenigen Minuten um Toilettenrollen gestritten wird, wird sich in Deutschland ganz zivilisiert für den Toilettengang angestellt. Darüber hinaus ist der von den Bewohnern gewählte Hausboss Norbert so freundlich, sein Privileg der Privattoilette an die Damen abzutreten und so für harmonisches Klima im Haus zu sorgen. Und auch sonst liefert die Show nur wenig Krawall. Hier eine kleine Diskussion darüber, wer denn nun für das Spiel um das Haushaltsgeld am besten geeignet ist. Dort ein kleiner Zank um die Platzverteilung, der mit “Wir rotieren und wer sich weigert, fliegt halt raus” auch schnell wieder beendet ist.

Langatmige Sendung mit wenig Inhalt

Auch ProSieben hat offenbar gemerkt, wie wenig Reibung es zwischen den Kandidaten gibt und plusterte daher den Kollaps eines Bewohners mit anschließendem Notarzt-Einsatz zur Showeröffnung groß auf. Ein großes Drama war der Vorfall jedoch nicht und genauso schnell wieder vergessen wie jene Kandidaten, die das Haus freiwillig verlassen haben. Das ist vielleicht auch das größte Manko an dem Format: Eine Bindung lässt sich zu den 100 Kandidaten kaum aufbauen, sie sind nicht mehr als ein Kegel auf einem “Mensch ärgere dich nicht”-Brett. Da ist es nur konsequent, wenn auf die Auszugsgründe einzelner Spielkegel gar nicht weiter eingegangen wird.

Apropos Sendezeit: Hier besteht einer der größten Änderungen im Vergleich zum Original, das im Heimatland werktags mit einer 30-minütigen Zusammenfassung ausgestrahlt wurde. Dass ProSieben angesichts der miserablen Quoten im Heimatland – nach einem ordentlichen Start entwickelte sich die Show zu einem der größten Flops der Sendergeschichte von RTL5 – nochmals Hand ans Konzept anlegte, ist verständlich.

Doch angesichts der nichtvorhandenen Konflikte und der fehlenden Spannungsbögen bei den Spielen ums Haushaltsgeld wie Karten schnipsen und Torwandschießen hätte sich der Sender überlegen sollen, ob 2,5-Stunden-Folgen das richtige Format für die Show sind. Eine Eventprogrammierung mit 60- bis 90-minütigen Folgen innerhalb einer Woche analog zu Adam sucht Eva wäre hier vielleicht die bessere Wahl gewesen.

ProSieben versucht Krawall zu vermeiden

Auch die weiteren Änderungen waren nicht sonderlich durchdacht. Beim niederländischen Original mussten sich die Bewohner beispielsweise alle Annehmlichkeiten wie frisches Toilettenpapier oder Essen von der Gewinnsumme kaufen. Dies führte unweigerlich zu der Frage, wie gierig sind die Kandidaten nach dem Hauptpreis? Würden sie für Geld auf Essen verzichten? In Deutschland wird es diese Diskussionen nicht geben. Hier spielen die Teilnehmer um ein separates Haushaltsgeld, das sich über die Woche lediglich sinnvoll eingeteilt werden muss.

Auch der bei ProSieben und Sat.1 gern unternommene Versuch, das beliebte Dschungelcamp-Duo Sonja Zietlow und Dirk Bach bzw. Daniel Hartwich mit teils selbstironischen Witzchen zu imitieren, scheitert trotz lautem Gruß Richtung Australien einmal mehr kläglich. Jana Julie, bislang als Schauspielerin und Synchronsprecherin unterwegs, hat bei ihrem Moderationsdebüt allerdings eine deutlich bessere Figur gemacht als ihr Freund Thore, der tatsächlich und nicht nur für ein müdes Späßchen ein Moderationsseminar besuchen sollte.

Einen Pluspunkt konnte er allenfalls bei Big Brother-Fans für seine *mit tiefer Stimme* Hommage an den großen Bruder sammeln, als er (angeblich) eine Ansage im Haus machte. Sonst blieb er so blass, unpersönlich und unspannend wie der Rauswahlprozess. Der Hausboss scant hierzulande die Barcodes der Bewohner, die das Haus verlassen sollen. Enthüllt werden die ausgewählten Bewohner dann von der Moderation über einen Touchscreen. Den titelgebenden Satz “Get the F*ck out of my House” muss der Hausboss anders als beim Original den rausgewählten Bewohnern kurioserweise jedoch nicht ins Gesicht sagen.

Dadurch stellt sich die Frage: Haben die Macher überhaupt ihr eigenes Format verstanden?

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