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Die Wetten, dass…?“ – Historie oder das Ende einer Ära

Am 05. April 2014 verkündete der derzeitige Moderator Markus Lanz, dass die lange Geschichte von "Wetten, dass...?" ihr Ende finden wird. Noch drei Shows nach der Sommerpause und dann ist es soweit - der Vorhang fällt. Viele Jahre zählte die Show zu den großen Samstag-Abend-Events.

Die Wetten, dass...?" - Historie

Das Konzept von „Wetten, dass…?“

Ein Wettanbieter wettet, dass er etwas Besonderes oder Skurriles kann, ein prominenter Gast (Wettpate) tippt den Wettausgang und bietet für den Fall, dass er daneben liegt, einen unterhaltsamen oder karitativen Wetteinsatz an. Der Erfinder der Sendung, Frank Elstner, gab an, er habe das Konzept für die Sendung in einer schlaflosen Nacht in zwei Stunden entwickelt. Sie enthält neben den Wetten auch Musikeinlagen und lockere Gespräche mit den prominenten Gästen.

In den Anfängen von „Wetten, dass…?“ sammelten die Gäste Punkte. Diese Punkte sammelten sie über die ganze Show hinweg, indem sie zu jeder Wette einen Tipp abgeben mussten: Schafft es der Kandidat die Wette zu gewinnen oder nicht? Das war dann ein zusammenhängendes Spiel und erst ganz zum Schluss wusste man, wer der Wettkönig des Abend ist.

Dieses System wurde 1987 geändert, ab da wurde dann per Telefonvoting von den Zuschauern ein Wettkönig gewählt. Das bewirkte, dass sich der Fokus auf die Wetten verlagerte, denn die prominenten Gäste beschränkten sich nur noch auf ihre Wettpatenschaften, die Wetten selbst wurden spektakulärer.

Die Einlösung der Wetten war zu frühen Zeiten immer etwas besonderes, kam fast Bestrafungen gleich. Ein Beispiel dafür ist, dass verlorene Tipps mit dem Sammeln von Spenden auf öffentlichen Straßen geahndet wurden. Das mochten die Zuschauer und auch die Moderatoren wurden oft mit nicht ganz einfachen Aufgaben bei der Begleichung ihrer Wettschulden beauftragt. Später wurde diese Tradition leider aufgegeben und es gab nur noch kleine, oft auch langweilige Aufgaben, die den Prominenten abverlangt wurden. Eigentlich verkam es zu einem lästigen Beiwerk der Show.

Die „Wetten, dass…?“ – Historie

Frank Elstner: 1981 – 1987

Die Wetten, dass...?" - HistorieAm 14. Februar 1981 betrat der „Urvater“ von „Wetten, dass…?“ zum ersten Mal die Halle und begrüßte die Gäste. Man war gespannt, was da so kommen würde und das deutsche Publikum war begeistert. Eine große Show, ein guter Moderator und tolle Wetten. Das war neu, etwas ganz anderes und die Show schaffte es, Alt und Jung am Samstag Abend für mehr als zwei Stunden zu fesseln. Frank Elstner hatte für damalige Zeiten einen ungewöhnlichen Moderationsstil. Frech, frisch, frei…

Bereits die erste Sendung überzog Elstner um 43 Minuten, was im Laufe der Zeit zu einem Charakteristikum der Sendung wurde. Im Gegenzug machte er aber am 8. Februar 1984 zwölf Minuten eher Schluss. In Elstners Zeit fallen die Sendungen mit den höchsten Quoten. Sechs Jahre lang moderierte er 39 Ausgaben der Sendung, bevor er am 4. April 1987 die Show an Thomas Gottschalk weitergab.

Thomas Gottschalk: 1987–1992

Die Wetten, dass...?" - HistorieUm es nochmal festzuhalten. Keiner, niemand und auch keine Medienspekulationen gaben ihm auch nur die geringste Chance, den großen Frank Elstner ersetzen zu können. Trotzdem schaffte er es, er drückte der Show seinen eigenen Stempel auf – Thomas Gottschalk schaffte das Kunststück, dass man seinen Namen sofort in Verbindung mit „Wetten, dass…?“ setzte.

Es gab allerdings in der Anfangszeit Kritik an ihm und seinem Moderationsstil. Er war noch frecher als Frank Elstner und auch der Inhalt der Sendung fand seine Kritiker. Das ZDF fackelte nicht lange und passte die Show einfach Thomas Gottschalk an und das funktionierte. Thomas Gottschalk präsentierte von September 1987 bis Mai 1992 insgesamt 36 Sendungen. Am 2. Mai 1992 trat Thomas Gottschalk in seiner zunächst letzten „Wetten, dass..?“-Sendung als Moderator auf. Anschließend wechselte Gottschalk zum Privatsender RTL.

Wolfgang Lippert: 1992 – 1993

Am 26. September 1992 betrat Wolfgang Lippert das „Wetten, dass…?“-Studio und somit wurde die Show zum ersten Mal von einem ostdeutschen Entertainer und Moderator präsentiert.

Die Wetten, dass...?" - HistorieInsgesamt brachte es Wolfgang Lippert auf nur neun Ausgaben und dann war Schluss für ihn. Seine Art war in weiten Teilen des Landes umstritten und wurde von den Medien kritisch aufgefasst. Oft wird Lippert mit schwachen Quoten in Verbindung gebracht. Unter seiner Moderation schalteten jedoch 12 bis 15 Millionen Zuschauer ein. Als Thomas Gottschalk sein Interesse bekundete, wieder zu „Wetten, dass…?“ zurückzukehren, setzte man seitens des ZDF lieber auf den landesweit beliebten Gottschalk. Seine letzte Sendung hatte Wolfgang Lippert am 27. November 1993 in Rostock. Insgesamt 16 Millionen Zuschauer verfolgten dieses Ereignis und die Gäste vor Ort verabschiedeten ihn herzlich.

Aus der heutigen Sicht waren das gigantische Einschaltquoten. Inzwischen konnte man die erwartete 8 Millionen-Grenze bei weitem nicht mehr erreichen und das war letztlich die Lanz vorgegebene Quotenmarke.

Die Wetten, dass...?" - Historie

Thomas Gottschalk: 1994 – 2011

Ab dem 15. Januar 1994 schritt Thomas Gottschalk wieder die altbekannte Treppe abwärts ins Studio mit dem ebenso altbekannten breiten Grinsen im Gesicht. Wenn man sich heute die Bilder und die Begeisterung ansieht und hört, dann kann man sich in diese Minuten denken.

Am 30. März 1996 wurde die 100. Ausgabe der Sendung ausgestrahlt, zu der Elstner und Lippert als Wettpaten eingeladen waren. Die Boygroup Take That hatte darin ihren letzten Deutschlnd-Auftritt vor der damaligen Trennung. Thomas Gottschalk schaffte mit der Sendung am 8. Dezember 1996 in Hannover den Rekord, um 73 Minuten zu überziehen. Ab Oktober 1998 präsentierte der Komiker Olli Dittrich die Außenwette.

Im März 2001 wurde das 20-jährige Wetten, dass..?-Jubiläum mit einer fast fünfstündigen Sendung gefeiert, an der neben Gottschalk auch Frank Elstner als Co-Moderator und Wolfgang Lippert als Moderator der Außenwette beteiligt waren. Mit Beginn der neuen Staffel wurden die Außenwetten zwei Jahre lang von Anastasia Zampounidis präsentiert. Ab 2003 gab es dafür keine Moderatoren mehr und die Kandidaten stellten sich selbst vor.

Ein ganz besonderes Datum für Thomas Gottschalk dürfte der 27. März 2004 sein. Da moderierte er seine 100. Sendung und gleichzeitig gab er an diesem Abend seinen endgültigen Rücktritt bekannt. Die Presse überschlug sich – allerdings wurde es später aufgeklärt, es war ein unglaublicher Aprilscherz.

Ab Oktober 2009 moderierte Gottschalk die Sendung gemeinsam mit der Schweizerin Michelle Hunziker, die ihm als Co-Moderatorin zur Seite stand und für die Präsentation der Wetten verantwortlich war.

Das Drama und der beginnende Untergang von „Wetten, das…?“

Die Wetten, dass...?" - Historie

Foto: Carmen Sauerbrei/ZDF

Nicht nur ein menschliches Drama, sondern auch der Untergang der Sendung wurde laut vielen Meinungen im Dezember 2010 eingeleitet. Der 23-jährige Schauspielstundent Samuel Koch versuchte mit Sprungstelzen ein fahrendes Auto zu überspringen. Es ging schief und der junge Wettkandidat blieb reglos am Boden liegen. Er verletzte sich schwer und die Zuschauer und Thomas Gottschalk waren wortlos und entsetzt. Das war der Zeitpunkt, an dem die Sendung erstmals in ihrer 29-jährigen Geschichte abgebrochen wurde.

Samuel Koch ist seit dem Vorfall gelähmt. Ein wissenschaftliches Gutachten sprach das ZDF von einer Mitschuld am Unfall frei. Auch eine interne ZDF-Untersuchung sah kein schuldhaftes Verhalten des Senders. Schon in der nächsten Sendung, im Februar 2011, kündigte Gottschalk seinen Rücktritt an. Für ihn war nichts mehr wie es einmal war, die Sendung hatte seine Leichtigkeit verloren und er formulierte es mit den Worten: „Es liegt ein Schatten auf der Sendung“ und weiter sagte er, dass er nicht „zu der guten Laune zurückzufinden, die Sie zu Recht von mir erwarten“ in der Lage wäre.

Insgesamt 22 Jahre moderierte Gottschalk das Format, bevor er nach drei Abschiedssendungen am 3. Dezember 2011 endgültig abtrat.

Markus Lanz: 2012 – 2014

Die Wetten, dass...?" - HistorieFast ein Jahr wurde nach einem Nachfolger für Thomas Gottschalk gesucht. Zahlreiche Namen fielen, zahlreiche Umfragen wurden gestartet und die Zuschauer nach ihrem Wunschkandidaten gefragt. Zahllose Spekulationen, noch mehr Dementis und die Gerüchteküche brodelte wie kaum sonst. Es kristallisierten sich die Wunschkandidaten Hape Kerkeling und Jörg Pilawa heraus – ihnen traute man diese großen Schuhe zu. Sie wurden von Deutschlands „Wetten, dass…?“-Publikum gemocht. Doch sie hatten keine Lust, dieses schwere Erbe anzutreten. Ein Grund mag auch gewesen sein, dass man das Format an sich eigentlich schon totgeschrieben hatte, es galt als überholt und längst dem Untergang geweiht.

Am 11. März 2012 wurde schließlich Markus Lanz als neuer Moderator bekanntgegeben. Am 6. Oktober 2012 moderierte Lanz erstmals die Sendung. Cindy aus Marzahn trat ab Oktober 2012 als Assistentin auf, im Januar 2013 wurde ein fester Vertrag bestätigt. Nach der Mallorca-Ausgabe stieg sie im Juni jedoch wieder aus der Sendung aus. Sie begründete den Ausstieg mit anderen terminlichen Show-Verpflichtungen.

Das ZDF gab am 22. September 2013 bekannt, dass Markus Lanz künftig ohne Co-Moderatorin durch die Show führen wird.

Am Ende der 212. Ausgabe von Wetten, dass..? am 5. April 2014 verkündete Markus Lanz, dass das ZDF-Format nach drei weiteren Ausgaben zum Jahresende 2014 eingestellt wird (wir haben berichtet).

Lanz-Aus: Wetten, dass?-Ende wurde schon im Vorfeld diskutiert

Schon vor der Show spekulierte man über das baldige Ende, es gab sogar schon Spekulationen, dass Markus Lanz in dieser Show das Ende und Aus von „Wetten, dass…?“ verkünden würde. So kam es dann auch. Der Moderator schaffte es nicht, die Zuschauer für sich zu gewinnen. Die Quoten fielen in nie gekannte Tiefen. Die Mallorca-Sommer-Ausgabe galt als peinlichste Ausgabe aller Zeiten. Die amerikanischen Promis lästerten über die Show, Markus Lanz wurde in den Medien regelrecht geschlachtet und man wartete nur auf den nächsten Fehltritt.

Eine sehr zurückhaltende Kritik war in der Frankfurter Rundschau zu lesen. Man fragte sich, warum Gottschalk mit dem gleichen Konzept so viel mehr Erfolg hatte:

„Es ist nicht recht einzusehen, warum Gottschalk mit dieser Mixtur bis zuletzt regelmäßig über zehn Millionen Zuschauer hatte und Lanz gerade mal auf die Hälfte kommt; dabei hat das ZDF doch sämtliche mit ihm verbundenen Neuerungen nach und nach wieder abgeschafft. Noch mehr „Alles auf Anfang“ ginge nur mit Gottschalks Rückkehr; dabei waren, wenn man ehrlich ist, nur seine Witze besser. Aber all das ist in acht Monaten ohnehin Geschichte.“

Die letzte Sendung von „Wetten, dass…?“

Am 13. Dezember, kurz vor Weihnachten im Jahr 2014 wird Markus Lanz zum letzten Mal die Show anmoderieren. Das ZDF hält sich bedeckt, ob es jemals wieder ins Programm genommen werden wird.

Auszeichnungen von „Wetten, dass…?“

1995 – Telestar – Beste Produktion an Pit Fischer
1996 – Goldener Löwe von RTL – Spezial für beste Regie eines Künstler-Auftritts (Michael Jackson) an Alexader Arnz
1997 – Goldener Löwe von RTL – Beste TV-Show an Thomas Gottschalk
1999 – Deutscher Fernsehpreis – Beste TV-Show an Thomas Gottschalk – Viktor Worms und Alexander Arnz
2005 – Rose dOr – Goldene Rose für den besten Game-Show-Moderator an Thomas Gottschalk
2009 – Deutscher Fernsehpreis – Beste Unterhaltungssendung / Moderation
2010 – Deutscher IPTV Award für das beste Online-Angebot
2011 – Wild And Young Award in der Kategorie Beste Show
2013 – Goldene Kamera in der Kategorie Leserwahl „Beste Unterhaltungsshow“

Frank Elstner zum „Wetten, dass…?“-Aus: Bereits in der Nacht zum Sonntag hatte der einstige Moderator der Show getwittert: „Wetten, dass Ende! Das geht an die Nieren. Alles andere wäre gelogen!“

Thomas Gottschalk: Dem Nachrichtenportal „Spiegel Online“ hatte er in einem Telefonat am späten Sonnabendabend gesagt: „Dann hätte ich das Ding auch gleich selbst an die Wand fahren können.“ Der zitierte Satz sei dem „spontanen Schock geschuldet“, schrieb er am Sonntag. (Hamburger Abendblatt)

Diesen Worten ist nichts hinzuzufügen. Wir danken für viele Jahre gute Fernsehunterhaltung.

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