Boxen
Wladimir Klitschko gegen Kubrat Pulev

© RTL / Mirko Hannemann

Klitschko vor Boxkampf: Ich bin zu 100% gesund

Am kommenden Samstag findet der Boxkampf zwischen Wladimir Klitschko gegen Kubrat Pulev statt. Ursprünglich wollten beide Kontrahenten schon im September in den Ring steigen, doch Klitschko musste krankheitsbedingt absagen. Was passiert ist und wie Klitschko sich auf seinen nächsten Boxkampf vorbereitet hat, verrät der IBF- und IBO-Schwergewichtsweltmeister sowie WBO- und WBA Superchampion im Interview.

Wladimir, blicken wir zunächst zurück. Ende August und damit kurz vor dem Kampf gegen Kubrat Pulev am 6. September haben Sie sich am linken Bizeps verletzt. Was war passiert?
Wladimir Klitschko: „Das Trainingscamp war schon fast beendet, es lag noch eine Woche Sparring vor mir. Beim Sparrring habe ich dann gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Ich habe dann in den darauffolgenden zwei Tagen versucht, es noch hinzukriegen, aber es wurde immer schlimmer und schlimmer. Ohne in die Details zu gehen, aber es war eine Verletzung am Bizeps. Bei so einer Verletzung konnte ich leider nicht mehr kämpfen. Nach einer ersten Untersuchung wurde festgestellt, dass ich eine vier- bis fünfwöchige Pause brauche.“

Es war nicht das erste Mal, dass Sie sich kurz vor einem Kampf verletzt haben. Was geht da in einem vor?
„Das passiert im Sport. Das habe ich schon mehrfach selbst erlebt. Und auch bei anderen Sportlern im Boxen gab es das ja auch schon ganz oft. Das ist nichts, was man kontrollieren kann. Das passiert von allein. Wir sind im Leistungssport auf der oberen Spitze und da geht es natürlich darum, auf die maximale Belastung zu gehen, um aus dieser die beste Form herauszuholen. Gefahren sind da für einen Sportler immer vorhanden.“

Das klingt sehr rational. Aber gibt es in einer solchen Situation nicht auch Momente totaler Frustration?
„Es ist natürlich schade. Nicht nur für mich, sondern auch für den Gegner, der ja auch in der Vorbereitung war. Gott sei Dank ist aufgeschoben aber nicht gleich aufgehoben. Ich sehe das Positive: Durch die Verschiebung hatte Kubrat Pulev – was er auch selbst gesagt hat – mehr Zeit, um sich vernünftig vorzubereiten und das wird heißen, dass er jetzt noch besser sein wird als er es im September gewesen wäre. Ich gehe davon aus, dass Kubrat Pulev eine Leistung erbringen wird, die den Zuschauern gut gefallen wird.“

„Das schlimmste im Sport ist Übertrainieren“

Sie hatten eine komplett boxfreie Schonphase, sind dann wieder ins Aufbautraining eingestiegen. Wieviel Form kann man da konservieren?
„Ich habe vier Wochen Pause gemacht, bis die Verletzung ausgeheilt war. Man ist in vier Wochen nicht ganz so schnell außer Form. Dann bin ich langsam wieder ins Training eingestiegen. Gut, ein bisschen knapp ist es gewesen, aber ich habe es, glaube ich, gut hingekriegt. Die Vorbereitung war dieses Mal sechs Wochen und damit ein wenig kürzer als die erste. Der Sinn dahinter war der, dass man sich nicht übertrainiert. Das schlimmste im Sport ist Übertrainieren.“

Gibt es im Training dennoch Momente der Angst, sich bei bestimmten Schlägen erneut zu verletzten?
„Nein, ich bin zu 100 Prozent gesund, das wurde mir von den Ärzten versichert. Deshalb habe ich auch nicht diese Gedanken, etwas nicht zu 100 Prozent machen zu können. In der Vorbereitung haben wir genau das gleiche Programm abgespult, was wir vorher gemacht haben, um den Kampf zu gewinnen. Auf diesem Weg hält mich nichts ab. Ich bin fit, gesund und sehr froh, dass ich am 15. November meine Fäuste fliegen lassen kann.“

Wer waren Ihre Sparringspartner?
„In der ersten Phase habe ich rund 8 oder 10 Sparringspartner gehabt, die gekommen und gegangen sind. Ich habe den Olympiasieger Anthony Joshua zu Gast gehabt. Ich war wirklich stark beeindruckt von ihm. Er wollte natürlich sehr viel dazu lernen, auch im Ring hat er eine gute Form gezeigt. Kevin Johnson ist zum Beispiel auch da gewesen.“

Klitschko: Kubrat Pulev hat einen großen Willen

Was halten Sie von Ihrem Gegner Kubrat Pulev?
„Ich bereite mich auf einen Gegner vor, der sehr selbstbewusst ist. Ich glaube, dass er noch nicht so viel Erfahrung gesammelt hat, aber er hat einen großen Willen. Er hat auf der Pressekonferenz schon sein großes Selbstbewusstsein gezeigt und auch, dass er nicht an eine mögliche Niederlage denkt, sondern nur an einen Sieg.“

Was macht den Boxer Kubrat Pulev so gefährlich?
„In den Ranglisten steht er ganz hoch. In den Kämpfen mit den Jungs, die z.T. noch größer sind als ich – wie Dimitrenko, Ustinov und andere – hat er gute Leistungen gezeigt. Er hat sogar frühzeitig die Kämpfe beendet. Pulev hatte eine gute Amateurschule und auch das zahlt sich im Berufsboxen aus. Er hat noch keinen Kampf verloren. Ich gehe davon aus, dass er wirklich keine Ängste und keine Sorgen hat. Die kennt er nicht und hat er niemals erlebt.“

Welche seiner boxerischen Qualitäten schätzen Sie besonders?
„Er hat eine gute Technik. Er jabbt gut. Er bleibt auch gut auf Distanz. Dadurch wird es schwer, ihn zu treffen – wie schon bei dem Kampf gegen Travis Walker. Er verlor seine Linie nicht, ging seinen Weg und am Ende war er der Sieger. Ich glaube schon, dass er weiß, dass man den Weltmeister nicht unterschätzen sollte. Aber man kennt mich und so kann er entsprechende Taktiken einstudieren – auch mit seinem Trainer, der sehr viel Erfahrung hat und mit meinem ehemaligen Trainer Fritz Sdunek viele Gemeinsamkeiten aufweist. Ich denke schon, dass sie durch die Verschiebung des Kampfes mehr Zeit gehabt haben, mich zu analysieren und sich mit entsprechenden Strategien besser gegen mich vorzubereiten. Ich bin ziemlich gespannt, wie es dann im Ring sein wird.“

Lasen Sie sich zu einer Kampfansage überreden?
„Ich werde nicht zu viel versprechen. Ich bringe meine Leistung im Ring. Wenn es frühzeitig zu Ende geht, dann ist es so. Wenn es in die Distanz geht, dann ist es so. Wichtig ist, dass ich meinen Titel weiter verteidige und erfolgreich im Ring bleibe.“

Provokationen von Shannon Briggs

Ein anderes Thema: Shannon Briggs. Der Amerikaner hat Ihnen in den vergangenen Monaten mehrfach aufgelauert, zuletzt hat er Sie mit sogar mit dem Motorboot attackiert. Ist er ein Psychopath, Ihr Nightmare oder einfach nur ein PR-Genie?
„Alles, was Sie gerade gesagt haben. Das passt zu ihm. Er hat psychisch einige Nachteile und er ist, wie man auf gut Deutsch sagt, nicht so ganz dicht. Denn sein Benehmen und was er macht, das passt in keinen Rahmen. Am Anfang fand ich es schon witzig und unterhaltsam. Aber das, was er zuletzt online gestellt hat, ist nicht alles, was der Wahrheit entspricht. Natürliche habe ich auch gesehen, dass er mit dem Boot an mir vorbeigefahren ist, und er hat seine Jungs gehabt, die mich gefilmt haben. Ich habe gewusst, dass es eine Provokation geben würde, wenn er es später online stellt. Aber das war gar nicht witzig, als er um mich herumgekreist ist. Es war einfach gefährlich. Er stand auf dem Schnellboot und ich war im Wasser. Die Chancen waren nicht sehr ausgeglichen.“

Er im Motorboot, Sie beim Stand-Up-Paddling auf dem Brett – Sie waren absolut wehrlos…
„Ja, das war wirklich unter der Gürtellinie, die Linie war überschritten. Ich habe schon überlegt, offiziell juristisch dagegen anzugehen, denn sowas darf man nicht erlauben. Es kann schnell zu einem tragischen Ende kommen.“

Haben Sie eine Erklärung dafür, dass diese Mätzchen so aus dem Ruder gelaufen sind?
„Wissen Sie, ich habe das wirklich unterhaltsam gefunden am Anfang, aber dann hat es die Grenze erreicht. Er ist nicht ganz dicht, das beweist das, was er gemacht hat. Er möchte das ganze Interesse auf sich ziehen. Er erzeugt Interesse auf Kosten des Champions. Ich fand Shannon Briggs auch schon sehr unterhaltsam im Kampf gegen Vitali, als er sein T-Shirt aufgerissen hat und natürlich die ganze Show, die er abgezogen hat. Ich verstehe nicht, was mit ihm passiert. Er will die Medienaufmerksamkeit bekommen. Es wurde sogar schon vermutet, ob das Ganze von uns allen nur gespielt ist – aber dann müssten ich und mein Bruder ja ziemlich gute Schauspieler sein, wenn wir uns so verstellen könnten.“

„Shannon Briggs ist mir furchtbar egal“

Der Logik der Provokationen folgend ist es wohl absehbar, dass Briggs auch in Hamburg aufkreuzen wird? Ahnen Sie das auch?
„Über Shannon Briggs kann ich keine Aussagen machen, aber wenn er sagt, dass er dort und dort erscheint, glaube ich schon, dass er das machen wird. Er weiß genau, wo ich bin und wann. Aber Shannon Briggs und seine ganzen Aktionen sind mir furchtbar egal, ich werde mich nur auf den Kampf konzentrieren.“

Wie groß ist Ihre Lust, es Shannon the Cannon im Ring heimzuzahlen?
„Ich habe gelernt, dass man Geduld haben muss. Mit der Zeit bekommen die Menschen ihre gerechte Strafe. Und dann paddeln sie den Fluss entlang, so wie ich damals gepaddelt bin. Es gab schon viele Fälle, wo sich Boxer total falsch benommen haben. Dereck Chisora zum Beispiel, der meinem Bruder eine Backpfeife im Gesicht verpasst hat, hatte die gleichen mentalen Schwächen wie Shannon Briggs. Er ist auch auf einer Pressekonferenz ausgerastet, hat von David Haye eine Flasche an den Kopf bekommen und im nächsten Kampf war er komplett ausgeknockt. Es gibt den Ausdruck „Karma is a bitch“ – jeder verdient das, was er verdient hat im Boxsport. Deswegen: Ich bin auch mit Shannon Briggs geduldig und im richtigen Moment schlage ich zu. Wenn er sich weiter im Boxring entwickelt – er ist schon in den Top 10, so wie ich es mitbekommen habe und hat einen nordamerikanischen Titel – dann kommt er vielleicht auch in die Position, wo ich gegen ihn boxen kann. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Das entscheide ich dann.“

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