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Wild Girls: RTL von der Politik scharf kritisiert

"Übles Spiel mit Kolonial-Klischees" lautet die Kritik aus der grünen Ecke unserer politisch besorgten Volksvertreter an RTLs "Wild Girls - Auf High Heels durch Afrika. Die in den friedlichen Alltag des namibischen Himba-Stammes eingefallene Meute bombiger Busenwunder belustigt und erschreckt gleichermaßen bereits uns Zuschauer, wie mag es da den Eingeborenen Namibias ergehen?

TV/ Wild Girls

Welche Gefühle mögen zwölf Vertreterinnen des deutschen Fernseh-Trashs in den Menschen der Wüste Namibias, die über keinerlei Kenntnisse moderner Medienkommunikation verfügen, auslösen?

RTL versteht die Kritik an ihren „Wild Girls“ natürlich nicht

Der Sender glaubt, es sei alles prima in Namibia! Man habe schließlich alles ganz „freundschaftlich“ mit dem Häuptling ausgehandelt. So weit ausgelegt wird der Begriff „Freundschaft“ vermutlich nur vom Sender RTL. Ob der Bauer eine Frau sucht oder familiäre Fälle zur Schau gestellt werden, Kinder auf die stille Treppe geschickt oder Hatz IV-Bezieher von einem motivationsbesessenen Vollweib durch die Amtsstuben gescheucht werden . . . alle Protagonisten haben die Möglichkeit, sich nach Ausstrahlung der Peinlichkeiten öffentlich über die Verhohnepipelung zu beschweren, was aber bleibt den unfreiwillig medial ausgebeuteten Himbas?

Wild Girls: RTL und eine „zweifelhafte Showidee“

Ausgerechnet in Namibia, der ehemaligen Kolonie des Deutschen Kaiserreichs, in dem grausame Verbrechen an den Einheimischen begangen worden sind, musste RTL seine zweifelhafteste Showidee umsetzen. Ausgerechnet bei den Himbas, einem bedrohten Nomadenvolk. Ausgerechnet für ein Format, Ute Koczy - Die Grünendas der Sender selbst als „Comedy“ einordnet und zusätzlich noch in Anspruch nimmt, Bildung vermitteln zu wollen. Die Bundestagsabgeordnete und entwicklungspolitische Sprecherin der Grünen, Ute Koczy forderte in einem Fax an RTL Auskunft über die kritischen Produktionspunkte des Formats und betonte darin: „Es erscheint mir daher mehr als unpassend, eine derart auf kulturellen Klischees basierende Sendung ausgerechnet in Namibia spielen zu lassen“ und kritisiert des Weiteren, dass die kolonialen und postkolonialen Implikationen in der Sendung keinerlei Berücksichtigung finden. Die Politikerin fragt weiter, ob RTL plane, sich auch kritisch mit der aktuellen Situation und der Geschichte der Ausbeutung der Himba auseinanderzusetzen.

RTL lehnt „Geschichtliche Dokumentation“ ab

RTL-Pressesprecherin Anke Eickmeyer: „Was wir nicht geplant hatten, war eine Geschichtsdokumentation, ein Porträt über Afrika bzw. die Himba oder eine politische Sendung über Menschenrechtsverletzungen – dafür gibt’s genug andere Formate, in denen diese Themen besser aufgehoben sind.“ Als hätte jemals ein Zuschauer von RTL Tiefgründiges erwartet. Aber SPIEGEL ONLINE fragte nach, weshalb in „Wild Girls“ selbst nicht thematisiert wird, wie die Dreharbeiten mit der geschützten, medienunerfahrenen indigenen Bevölkerung verliefen, wer die Verhandlungen mit dem Stamm führte und wie die Himba überhaupt entlohnt wurden. Eickmeyer: „Es gab Verhandlungen mit dem Häuptling. Er wusste genau, was er verlangen kann. Es war eine sehr freundschaftliche Atmosphäre.“

Wild Girls: RTL verteidigt seinen Einbruch beim geschützten Naturvolk

SPIEGEL ONLINE recherchierte weiter und entnahm dem Antwortschreiben des Senders an die intervenierende Grünen-Politikerin folgende Begründung: „Sehen Sie es von dieser Seite“, rät Eickmeyer, „wahrscheinlich gibt es in Deutschland viele Menschen, die noch nie von den Himba gehört haben und auch eher keine Fans von Dokumentationssendungen sind. Durch ‚Wild Girls‘ besteht die Chance, dass diese Zuschauer durch das Format neugierig auf Namibia und die Himba werden und sich weiter informieren.“ Na dann ist ja alles prima in Namibia, oder? Mit dieser Art von Bildungsanregung schleicht sich RTL aus seiner, sozialkritisch doch eher als grenzwertig niedrig anzusiedelnden, Verantwortung.

Begehrtester Fernsehpreis der Welt für RTL-Chefin

Natürlich nicht für die „Wild Girls – Auf High Heels durch Afrika“, aber Co-Chefin der RTL-Group in Luxemburg, Anke Schäferkordt, erhält am 22. September in Los Angeles einen Emmy als „herausragende Unternehmerin und erfahrene Fernsehmacherin für ihre Leistungen im internationalen Fernsehgeschäft.“ So quittiert man in der TV-Welt also bevorzugt statt Bildung den Trash. Und um nicht nur RTL selbst dafür anzuprangern, noch ein Nachsatz: Wir alle haben dabei mitgeholfen, anstatt mit der Fernbedienung diesen Kanal einfach öfter mal zu überspringen.

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