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© SAT.1/Andre Kowalski

Newtopia-Fake: Wie können Sat.1 und Talpa die Show noch retten?

Nachdem eine Newtopia-Mitarbeiterin die Bewohner betrunken zum Gespräch bat und ihnen konkrete Ansagen machte, brennt bei Sat.1 die Hütte. Doch kann der Sender das Feuer überhaupt noch löschen und wenn ja: Wie kann er das Vertrauen der Zuschauer in Newtopia zurückgewinnen?

Ist Newtopia noch zu retten?

Diskussionen um gefakete Reality-Formate gibt es in Internetforen viele. Doch nur selten schlägt eine Täuschung der Zuschauer so hohe Wellen wie das Skandal-Treffen mit dem inzwischen beurlaubten Executive Producer, das die ManipulationsvorwĂĽrfe gegen die Newtopia-Produktionsfirma Talpa bestätigte. Am Tag nach der EnthĂĽllung mĂĽssen Fans nun entscheiden, ob sie die Sendung weiterhin unterstĂĽtzen wollen oder ihr den RĂĽcken zukehren und den Newtopia Live-Stream kĂĽndigen. Schon gestern äuĂźerten sich Zuschauer auf Facebook und Twitter in beide Richtungen. Doch wie einfach wird es fĂĽr Fans, die der Sendung weiterhin eine Chance geben wollen? Ist es ĂĽberhaupt noch möglich, Newtopia zu schauen, ohne hinter jeder Aktion eine „Beratung“ der Produktion zu vermuten?

Sat.1 und Talpa mĂĽssen sich fĂĽr Fans ins Zeug legen

Die Antwort lautet: möglicherweise. Doch dazu reicht es nicht alleine aus, Köpfe auszutauschen, sich zu entschuldigen oder – im Falle von Talpa – ein Statement zu veröffentlichen, das den Skandal herunterspielt. Nur wenn Sat.1 und Talpa die Hosen komplett herunterlassen und die Vorfälle lĂĽckenlos aufarbeiteten, besteht die Chance, dass die Fans den katastrophalen Fehler verzeihen. Dies zeigt auch der Blick auf Big Brother, dem ersten groĂźen Reality-Format von Newtopia-Erfinder John de Mol. Auch hier vermuteten Fans immer wieder Manipulationen, wie beispielsweise falsche dargestellte Zusammenhänge in den Tageszusammenfassung oder Veränderungen im Nominierungs- und Rauswahlprozess, um vermeintliche Favoriten der Produktion zu schĂĽtzen. Auch wenn es in solchen Fällen in der Regel bei VorwĂĽrfen blieb, die nicht belegt werden konnten, schwörten BB-Fans regelmäßig, das Format nicht mehr schauen zu wollen. Doch lange blieben die wenigsten auf den groĂźen Bruder sauer, wenn er sich an die Zuschauer wandte und einige ihrer WĂĽnsche erfĂĽllte.

Offene Fragen mĂĽssen ehrlich beantwortet werden

Doch wenn Sat.1 und Talpa nun versuchen, sich wieder mit den Fans zu verschönen, muss die Aufarbeitung der Fälle rigoros geschehen. Statements wie die der Produktionsfirma, die Einflüsse noch immer weitestgehend abstreitet, helfen da nichts. Viel mehr müssen die Verantwortlichen nun bei Stunde Null anfangen, sich mit jedem einzelnen Vorwurf der Zuschauer konsequent auseinanderzusetzen und rigoros Aufklärungsarbeit zu leisten. Dazu müssen auch ausführlich Fragen beantwortet werden wie:

  • War es von der Produktion tatsächlich von Beginn geplant, ein Restaurant und ein Hostel in Newtopia zu eröffnen? Wenn nicht, wieso sind diese Branchen fĂĽr die Newtopia GmbH im Handelsregister genannt?
  • Welche Projekte der Pioniere entstanden auf Anraten der Produktion. Wurden Ideen der Teilnehmer durch die Produktion abgelehnt?
  • Welche Ratschläge hat die Produktion den Pionieren bislang gegeben? Da im Meeting eine längere Besprechung im Technikraum angesprochen wurde, kann das Meeting selbst nicht die erste Einflussnahme gewesen sein.
  • Zuschauer haben ĂĽber Facebook-Seiten Verbindungen zwischen Newtopia-Mitarbeitern und dem Frisör ausgemacht, der Candy 5000 Euro fĂĽr seine Haare gab. Wurde dies von der Produktion bewusst gesteuert? Das gleiche muss fĂĽr das Uhrenlabel des Nackt-Shootings beantwortet werden, dem ebenfalls Verbindungen zu Mitarbeitern nachgesagt werden.
  • Lehnt die Produktion bewusst Angebote von Zuschauern ab und wenn ja, aus welchen GrĂĽnden? Wie viele Geschäftsvorschläge werden an die Pioniere geschickt und wie viele erreichen sie tatsächlich? Wird das Geschehen in Newtopia durch bewusstes Selektieren und Anwerbern von Geschäftspartnern beeinflusst?

Cuts im Live-Stream reduzieren, Ansagen öffentlich machen

Über die Aufarbeitung der bisherigen Geschehnisse in Newtopia hinaus müssen Sat.1 und Talpa in Zukunft auch absolut transparent arbeiten, um weitere Spekulationen und Betrugsvorwürfe zu unterbinden. Viele Fans der Sendung äußerten sich gestern beispielsweise auch, dass sie die Einflussnahme durch die Produktion nicht grundsätzlich ablehnen. Vielmehr sind sie enttäuscht darüber, dass Cuts im Live-Stream dazu genutzt werden, diese Vorschläge oder Anweisungen im Geheimen zu äußern. Folglich darf der Newtopia Live-Stream künftig nicht mehr unterbrochen werden, um mit den Pionieren in Kontakt zu treten. Talpa muss die Zuschauer immer wissen lassen, wenn Produzenten sich in das Geschehen einklingen. Andernfalls wird die Fake-Debatte bei jedem Cut erneut entfacht werden.

Tagebuch fĂĽhren: Notwendige Cuts und Technikraum-Besuche rechtfertigen

Nun gibt es ja durchaus Fälle, in denen ein Cut unvermeidlich sein kann. Die Produktion nannte in der Vergangenheit beispielsweise Probleme mit dem Jugendschutz oder rechtliche Gründe bei Äußerungen über Dritte. Doch auch in solchen Fällen muss Talpa künftig transparenter werden, wenn die Zuschauer Newtopia weitestgehend als echt empfinden sollen. Wenn Gespräche nicht im Live-Stream gezeigt werden können und dieser über mehrere Minuten stumm geschaltet wird, könnte ein Video mit der Aufzeichnung, in der Namen ausgepiepst werden, auf der Webseite bereitgestellt werden. Szenen, die in Sachen Jugendschutz bedenklich sind, können zu nächtlicher Stunde auf der Webseite nachgereicht werden. Darüber hinaus kann die Produktion ein öffentliches Tagebuch auf newtopia.de führen, in dem längere Ausfälle des Live-Streams begründet werden. Auch Besuche im Technikraum können hier transparent aufgeführt werden. Wann wurde tatsächlich nur ein Akkuwechsel durchgeführt? Wann hat ein Kandidat den Psychologen gesehen? Wann hat die Produktion Ansagen gemacht – und seien es nur Ansagen, die dem Schutz der Pioniere dienen?

Konsequent Videos hochzuladen oder eine Liste über Ausfälle und den Technikraum zu führen, mag für die Produktion eine deutliche Mehrarbeit darstellen. Doch diese Mühen sollte man jetzt auf sich nehmen, wenn man Newtopia weiterhin glaubhaft als Reality-Format verkaufen und die Zuschauer ernst nehmen will anstatt sie als Junkies zu sehen.

Christian:
Habt ihr offene Fragen oder Ideen, wie der Sender das Vertrauen der Zuschauer zurĂĽckgewinnen kann? Dann lasst es uns wissen!
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