Header image
Dschungelcamp 2013

Gag-Schreiber Haas zieht Dschungelcamp-Resümee

Am letzten Samstag ging das Dschungelcamp zu Ende mit dem strahlenden und völlig überraschten Dschungelkönig Joey Heindle. Stefan Niggemeier konnte dem Textschreiber Jens Oliver Haas der Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich noch auf dem Rückflug nach Deutschland einige Fragen stellen. Wie immer im Dienst, beantwortete der Befragte sie noch an Bord per E-mail.

Sonja Zietlow, Daniel Hartwich, Dschungelkönig Joey (DC2013)Jens Oliver Haas empfand die Staffel als gelungen, ein wunderbarer Jahrgang. Die Hanglage bei den Kandidaten hätte sich ausgezahlt, trotzdem fehlte das intellektuelle Gefälle für seinen Geschmack. Auch fehlte der „clash of cultures“ wie er bei seinen Lieblingstaffeln zwischen Sarah Dingens und Rainer Langhans oder Ingrid van Bergen und Julia Siegel vorhanden war. Jens Oliver: „Da hatte ich mir speziell von Helmut Berger, Arno Funke und Olivia Jones mehr erwartet. Aber Helmut hat uns verlassen, bevor er zu sich kam, Arno hat sich als sehr farblos erwiesen und Olivia war einfach zu sehr damit beschäftigt Olivia zu sein, um den Oliver mal punkten zu lassen.“

00-Dschungelcamp-2013-Kandidaten-GruppenfotoDieses Jahr waren keine wirklichen „Promis“ im Camp. Lauter Viert- oder Fünftplatzierte von zweitklassigen Shows, trotzdem war der Erfolg ernorm. Die Frage, ob es gar keine richtigen Prominenten brauche, ergab sich da von selbst. Jens Oliver glaubt, dass es im Dschungelcamp keine richtigen oder falschen Kandidaten gäbe, nur falsche Mischungen. Als Beispiel führte er die Staffel des letzten Jahres an, jeder war für sich ein Knaller. Der Fehler war nur, dass es in der Masse zu viele waren, die schlecht oder fast kein Deutsch sprachen. Er meinte, das Dschungelcamp lebt nicht von Prüfungen oder den Schatzsuchen, sondern von dem was zwischen den Kandidaten passiert, also von den Dialogen. Man könne die Kandidaten auch nicht katalogisieren, ein Nico Schwanz als Beispiel, der in der Staffel prima funktionierte. Ein Rocco Stark, der nur für die Staffel funktioniert hat – basierend auf der Liebesgeschichte mit Kim Debkowski und seinen Halbbrüdern. Dann gibt es noch Kandidaten wie Arno Funke, der nur für ein paar gute Wortspiele am Anfang zu gebrauchen war und dann in der Stille verpuffte.

Warum das Dschungelcamp sich auf seinen hohen Quoten halten könne und warum die anderen Shows auf hohem Niveau trotzdem immer weiter absacken wollte Stefan Niggemeier von Jens Oliver wissen. Dieser erklärte, dass es wohl daran läge, dass man den Event-Charakter beibehalten habe. Zum einen sicherlich darauf zurückzuführen, dass die Show einfach zu teuer ist um sie öfter auf die Bildschirme zu bringen und zum anderen, weil sich das Genre bald erschöpft hätte. Dass Helmut Berger ein Zugpferd gewesen sei, verneinte er, da die Quoten erst explodierten, als Berger das Camp verlassen hatte. Abgesehen davon gab es immer wieder eine Pause und die tat dem Format gut. Er gab es nicht gerne zu, doch „jetzt wäre mal wieder ein Jahr Pause gut für das Format.“ 

Was ist eigentlich ein guter Kandidat für „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“? Grundsätzlich sollte es kein allzu großer Medienprofi sein, meinte Haas. Von Vorteil ist auch ein zerzerrtes Selbstbild und die damit verbundene Fallhöhe.

Dirk Bach Sonja Zietlow DschungelcampDie Inzenierung der ersten Show war wichtig und es wurde auch erst sehr spät entschieden, wie sie verlaufen sollte. Der Tod von Dirk Bach und der Einstieg von Daniel Hartwich. Wie macht man das? Es sollte erst vor Ort und aus dem Bauch entschieden werden, doch das ist nicht so einfach wegen den organisatorischen Dingen. Die Meinungen waren geteilt, Jens Oliver wollte vieles erneuern, beispielsweise den Schrei am Anfang auf der Hängebrücke weglassen. Man musste Kompromisse finden und dabei kam dann eben das raus, was Millionen am ersten Tag der Show verfolgen konnten. Daniel hätte sich auch nahtlos in die Show eingefügt, was viele Lügen gestraft hat, die schon den Untergang des Dschungelcamps prophezeit hatten.

Ob er denn an den Sieg von Joey Heindle geglaubt hat, wollte Stefan Niggemeier noch wissen. Jens Oliver erwiderte, dass er am dritten Tag bei der Teamwette 5 Dollar auf Claudelle Deckert gesetzt habe, den Jackpot müssen sich aber auch einige teilen, denn nicht nur einer hatte bereits sehr früh auf Joey Heindle gesetzt.

Fiona Erdmann Dschungelcamp 2013Ein schwieriges Thema wurde ebenfalls angesprochen. Was ist mit den Lebensbeichten? Darf man darüber die gewohnt bissigen Kommentare machen? Er erläuterte es am Beispiel von Gundis Zambo. „Einen Witz, den ich über Gundis Zambo machen kann, die ein Buch über ihre Bulimie geschrieben hat, kann ich nicht über ein ausgemergeltes Model machen, das vehement abstreitet, eine Essstörung zu haben. Ich glaube, wir haben oft bewiesen, dass wir bei allem Brachialhumor auch sensibel mit sensiblen Themen umgehen können. Das Blöde ist, dass ich das nicht beweisen kann, weil es genau die ungesagten Dinge, die ungesendeten Szenen und die ungemachten Witze sind, die das belegen. Vielleicht nur soviel: An dem Format arbeitet ein fantastisches Team, das viel mehr von den Stars weiß und erfährt, als es jemals einsetzen würde. Und die fast schon inflationäre Zahl an Beichten war mir in der Masse und Inszenierung zu viel und zu aufgesetzt. Man muss das Format nicht schon zum siebten Mal machen, um mit relativ sicherem Gespür zu wissen, wann die Kameras in den Köpfen der Camper präsent sind und wann nicht. Und wenn ich mir sicher bin, dass ein Star das Format benutzt, dann darf das Format auch ihn benutzen.“

Jens Olivers Moderationshighlight war die Zusammenarbeit mit Micky Beisenherz. Die Moderations-Bücher müssen innerhalb von vier Stunden entstehen in denen sie wie die Wilden zwischen Büro und Schnittplätzen hin- und hereilen. Die Selbstironie wird als Werkzeug benutzt, was sich in diesem Jahr gut an dem Beispiel Temperaturen erklären lässt. Wie anders als mit Ironie sollte man auch mit Menschen umgehen, die ihm anhand von Wetterdaten erklären wollen, wie warm es bei ihm ist. So wurde Jörg Kachelmann eben ein bisschen veralbert.

Abschließend noch die fast sehnsüchtige Frage, warum man den speziellen Dschungelhumor nicht mit in den deutschen TV-Alltag retten könnte. Jens Oliver Niggmeier antwortet mit: „… das ist ein langes Gespräch für sich. Da gibt es ganz viel Hindernisse und leider keine Lösung.“

Gefällt dir der Artikel? Teile ihn in den sozialen Netzwerken!



Mehr zu diesem Thema

Deine Meinung zählt!

Kommentare