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DIE BBFUN-KOLUMNE: KAMPFGURKES BLICK AUF DIE BB-DINGE

Big Brother Kolumne

Ich bin schockiert, erzürnt und beleidigt zugleich – jawohl!
Nachdem ich diverse Beschwerdebriefe an Sybille Weischenberg, Günther Jauch und Brangelina und Babyglückwunschkarten an Oliver Pocher und Boris Becker verfasst und abgeschickt hatte, ging ich noch einmal in mich und ließ die vergangene Liveshow des letzten Montags vor meinem geistigen Auge Revue passieren. Eine Sendung voller Emotionen, Tränen, Flüche und eine ideale Gelegenheit um die Strapazierfähigkeit von Taschentüchern unter Beweis zu stellen.
Ossendorf versank in einem Meer aus Tränen, während schluchzende Bewohner sich mit laufenden Nasen in den Armen lagen. Hätte man zwischendurch zufällig eingeschaltet, man konnte den Eindruck gewinnen, dass da erst vor wenigen Minuten ein Verstorbener im Garten verscharrt wurde. Dabei war der eigentliche Grund für die Trauer doch so simpel und naheliegend: Big Brother setzte die Tradition der letzten zehn Jahre fort und beförderte im Auftrag telefonierender Zuschauer einen der nominierten Bewohner vor die Tür. Eine Vorgehensweise mit der die Kandidaten auch nach unzähligen Staffeln immer noch nicht einverstanden sind und noch immer nicht verstehen, warum der Große Bruder sie nicht einfach bis zum Ende aller Tage glücklich vereint in der Ossendorfer Gummibärengasse leben lassen kann.
Big Brother ist aber auch ein pöses Schweinchen. Da trennt der einfach unser Vorzeige-Ehepaar Carlos und Harald und schickt den armen Mann mit der gesunden, rötlichen Gesichtsfarbe einfach so und total unvorbereitet vor die Tür. Dabei hatte Tränen-Tobi ihm doch noch in der Woche zuvor Brief und Siegel geschworen, dass Harald definitiv bleiben würde. Wahrscheinlich war Tobi einfach nur dehydriert oder sprach im Fieberwahn.
Auch das herzzerreißende Liedchen, das Carlos schluchzend kurz vor der großen Entscheidung anstimmte, half nicht weiter und spülte kein Mitgefühl in die kalten Herzen der Zuschauer. Verständlich, dass da im Haus niemand mehr die Welt verstehen konnte und wollte. Was läuft bei den Zuschauern nur falsch, dass die tatsächlich den grundehrlichen, hochsympathischen Harald einfach so abwählen? Eine Erklärung dafür war schnell gefunden. Wahrscheinlich hatte der durchschnittliche Big Brother-Zuschauer, der in der Regel über einen Sonderschulabschluss nicht hinwegkommt, das Telefonvoting nicht richtig verstanden und daher für den falschen Kandidaten angerufen. So musste es einfach gewesen sein, anders konnte man sich dieses Horrorszenario zu Beginn dieser Woche einfach nicht erklären.
Harald verabschiedete sich an diesem Abend von seinen Mitbewohnern und von seinem Ehegatten mit den herzlichen Worten: „Hau der Alten eine rein.“ Mit der Alten meinte Harry, der im Duden neben dem Begriff Toleranz bildlich abgebildet ist und dessen Gesicht leuchtete wie ein frisch polierter Pavianarsch, natürlich seine persönliche Intimfeindin Iris.
Irgendwie verständlich dass diese regungslos, lächelnd auf der Couch sitzen blieb, während der freundliche Barde Carlos seinen Gatten verabschiedete und daraufhin mit Lampen um sich warf und das Ganze mit Beschimpfungen untermalte, bei denen ich spontan schreiend meinen Kopf in die Backofenröhre steckte. Der Große Bruder hingegen suchte verzweifelt den Zensurknopf und Frau Bechtel klammerte sich überfordert an ihre Moderationskärtchen.
Als ich meinen Kopf wieder aus dem Ofen gezogen hatte, saßen unzählige Big Brother-Fans bereits mit versteinerter Miene und einem guten Glas Tetrapack Sangria auch schon vor den heimischen Computersystemen und verfassten die ersten elektronischen Beschwerdebriefe. Die wurden an jeden geschickt, der auch nur ansatzweise etwas mit Fernsehen und Anstand zu tun hatte.
Während Guido Westerwelles Postfach sich aufgrund Überfüllung selbst zu zerstören drohte, klammerte sich der Big Brother-Fan bis in die frühen Morgenstunden an der Tatstatur fest und betete, dass die BILD, die FAZ oder die Superillu irgendwas über die verbale Entgleisung des singenden, toleranten Carlos bringen würden, damit wirklich jeder einzelne Bewohner der Bundesrepublik über dieses schändliche Ereignis des letzten Abends aufgeklärt werden würde. Die ersten Flugblätter wurden gedruckt und in aller Herrgottsfrühe an sämtlichen McDonald’s-Filialen in Deutschland angebracht – auf, das wirklich jedem der Frühstücks-Big Mac im Halse stecken bleiben möge.
In Berlin campierten weitere erzürnte Zuschauer vor dem Bundestag, wo die am Boden festgefrorenen Demonstranten im Laufe des Tages von freiwilligen Helfern abgekratzt werden mussten. Ein Aufschrei zog sich durch die Nation während Carlos bei Kaffee und Toast im weißen Bademantel der Unschuld und mit rosigen Wangen, eine Entschuldigung in Richtung seiner Mitbewohner für sein gestriges Verhalten aussprach und anschließend mit Iris zur gemeinsamen Sitzung bei Uli gerufen wurde.

Ach ja der Uli…
Der Uli hatte vor zehn Jahren ein preisgünstiges Diplom der Psychologie auf einem polnischen Geflügelmarkt erworben und sich damit spontan bei Big Brother beworben. Seitdem kümmert sich der freundliche Uli um alle emotionalen WehWehchen der Bewohner oder sitzt wahlweise mit einer Geflügelschere bewaffnet im Sprechzimmer, um die Bewohner, die eigentlich ausziehen wollen, doch noch zum bleiben zu „überreden“.
Ach was…ich mach natürlich nur Spaß. Genauso wie Psycho-Uli sich auch hin und wieder einen Scherz erlaubt und seinem Kollegen Ulli Potofski die Perücke klaut. Wäre doch gelacht, wenn der Uli es da nicht auch schafft, aus Carlos und Iris die neuen Busenfreunde dieser Staffel zu machen.
So begann Geflügel-Uli also an seinem Projekt „Iris und Carlos“ zu arbeiten, während draußen vor dem Haus die letzten Demonstranten mit selbstgebastelten „CARLOS RAUS“ Schildern aufliefen und die ersten Farbbeutel warfen. Zu dem Zeitpunkt lagen sich Iris und Carlos aber schon wieder selig in den Armen und der verwitwete Sänger sorgte sich anschließend weinend gemeinsaLady Gaga, der man (oder Uli) die Perücke geklaut hat m mit „Rhabarber Rhabarber“ Sabrina um seine zukünftige Gesangskarriere.
Das, obwohl Sabrina, die ein bisschen aussieht wie eine mit 20 Abschminktüchern bearbeitete und spricht, als mische ihr jemand mehrmals täglich Jim Beam unters Müsli, eigentlich genug eigene Probleme hat. Nicht nur, dass die Frisöse der Herzen kaum noch damit hinterher kommt, jeden einzelnen Bewohner über wirklich alles auf dem Laufenden zu halten, was sich grade im Haus abspielt, so erstickte gleichzeitig ihre aufkeimende Romanze mit Porno-Klaus. Vorbei die Zeit der erotischen Massagen oder der spontanen Küsse im Hühnerstall. Dem DSDS-Hüpfer nimmt Sabrina nämlich ganz besonders übel, dass der doch tatsächlich der Iris den Schminkkoffer ins Badezimmer getragen hat. Sabrina hat es wirklich nicht leicht. Dazu kommt auch noch ihre allgegenwärtige Angst vor der drohenden Kohlensuppe. Eigentlich völlig unberechtigt wie ich finde. So eine Kohlensuppe kann eigentlich ganz gut schmecken, wenn man denn mit den richtigen Gewürzen arbeitet und die gute Grillkohle vom Rewe verwendet.

Nach diesem ganzen Drama habe ich mich dann heute spontan dazu entschlossen, erst eine Kohlensuppe zu kochen und mir anschließend Gedanken über mein diesjähriges Faschingskostüm zu machen. Eigentlich hab ich als Nordlicht mit diesem ganzen Quark ja nicht besonders viel am Hut, aber da wo sich betrunkene Menschen lallend in den Armen liegen, fühle ich mich einfach wie zu Hause. Praktisch und preisgünstig sollte es sein. So fiel meine Wahl am Ende auf eine Pizza Margarita vom Discounter, in die ich begeistert mein Gesicht vergrub, um etwas Farbe in mein Gesicht zu bringen. Und? Wer kommt jetzt darauf als was ich geh?
Richtig, ich geh als Harald. Die feine Tomatensauce verleiht meinem Gesicht die typische Röte, die Paprika und Käsebrocken sorgen für die typisch gegerbte, lederartige Oberfläche der Haut. Dazu noch eine Stange Zigaretten und eine Plastiktüte mit Dosenbier für den Durst unterwegs, und schon bin ich der absolute Renner auf unseren vereisten Gehwegen.
Die Bewohner sollten sich an mir ein Beispiel nehmen. Anstatt sich die Augen aus den leeren Köpfen zu weinen, könnten sie dem unvergesslichen Harald gedenken und ihm über Fastnacht ein Denkmal setzten.
Da ich grade bei Dosenbier war, was macht eigentlich Pluto? Nachdem ich ihn weder bei der Leergutannahme im Penny, noch beim Seminar „Obdachlos für Anfänger“ an der Volkshochschule auffinden konnte, war ich mir sicher: Pluto muss noch im Haus sein. Glaubt mir, Plutos große Stunde wird bald schlagen. Der Neuobdachlose hat das Potential in Haralds Fußstapfen zu treten und demnächst die Fahrkarten für die Tour des Schreckens zu verkaufen.
Dieser nächste Big Brother-Höhepunkt ist nur noch einen Steinwurf entfernt. Die Zeit bis dahin werde ich mir damit vertreiben, Strampler für den Pocher- und Beckerschen Nachwuchs zu stricken und Fresspakete für die letzten „CARLOS RAUS“-Demonstranten zusammenzustellen, die noch immer irgendwo in Deutschland auf öffentlichen Plätzen frieren und hungern.

Keine Angst Leute, ich bin bei euch!
Eure Kampfgurke

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