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Was macht eigentlich?

„Was wurde eigentlich aus…?“ – Oma Anne im Gespräch

Über Wochen und Monate haben wir am Leben der Big Brother-Kandidaten teilhaben dürfen. Einige haben wir ins Herz geschlossen und bei anderen voller Unverständnis mit dem Kopf geschüttelt. Auch wenn die Lichter im Haus längst ausgegangen, und die Bewohner wieder in ihr normales Leben zurückkehrt sind, erinnert man sich noch an den ein oder anderen zurück und fragt sich: Was wurde eigentlich aus…?

Ein absolutes Novum in der Geschichte der deutschen Big Brother-Staffeln war der Einzug von Anne am 7. Juni: Mit ihren 65 Jahren ist die Hobbymalerin aus Lindlar bei Köln die älteste Kandidatin, die bislang an diesem Projekt teilnahm. Mit großem Hallo wurde Anne bei ihrem Einzug direkt im Anschluss an eine Liveshow begrüßt, wobei auch ihre Gastgeschenke (Zigaretten und Alkohol) im Haus äußerst willkommen waren. Um sie von ihrer Namensvetterin, die in dieser Staffel bereits das Haus verlassen hatte, zu unterscheiden, wurde sie schnell vom Großen Bruder und auch manchen Bewohnern zärtlich-schelmsich „Oma Anne“ getauft, auch wenn sie im „wahren Leben“ es noch nicht zum Großmutter-Status gebracht hat.
Diesem Kosenamen mag es geschuldet sein, dass viele mit Annes Einzug große Hoffnungen verknüpften: Endlich jemand mit Lebenserfahrung, der im Haus mal für Ordnung sorgt und auch eine Schulter zum Anlehnen bieten kann – schienen doch bislang viele der jüngeren Bewohner ihre Eltern und Großeltern stark zu vermissen und auch mit den Tücken des Haushalts manches Mal überfordert zu sein. (Zu Annes vollständigem Staffel-Rückblick)

Bei BBfun.de erfahrt ihr nun exklusiv, wie es mit Anne, der Drittplatzierten der Jubiläumsstaffel, weiterging, wie sie ihre Zeit im Haus sieht und welche Pläne sie für die Zukunft hat. An dieser Stelle möchten wir uns natürlich nochmals herzlich bei Anne bedanken, die sich die Zeit genommen hat, unsere Fragen zu beantworten:

Im Vorgespräch mit dem Nuus-Team erwähntest Du, dass es bei Deiner gewonnenen Reise Schwierigkeiten gab. Sogar einen Anwalt musstest Du einschalten. Was ist passiert?

Die sog. Traumreise beinhaltete nur eine Pauschalreise, entweder in die Dom-Rep, oder irgendwohin in Asien. Da hätte ich ja gleich mit meinem Reisegutschein von 7.000 Euro auswandern, mich etliche Monate an irgendeine Pool-Landschaft legen und mir die Füße krabbeln lassen können von einem Boy. Das ist für mich keine TRAUMREISE. Ich will etwas sehen von Land und Leuten. Außerdem musste ich den Gutschein mehrfach anfordern!
Ich war dann der Meinung, ich rege mich nicht auf und warte die neuen Kataloge 2011 des vorgesehenen Veranstalters ab. Die Reise war gesponsort worden von der REWE Touristik Group Köln. Nach Rücksprache mit meinem Anwalt über die Definition, was eine Traumreise ist, habe ich vor ca. 3 Wochen dann per Einschreiben noch einmal die Geschäftsleitung Endemol angeschrieben (was ich genau geschrieben habe und letztendlich zum Erfolg führte, möchte ich hier aber nicht erwähnen). Jedenfalls kam dann ein paar Tage später ein Fahrer vorbei, nahm den alten Gutschein mit und brachte mir einen neuen, denn REWE Touristik Group sei angeblich „so freundlich“ gewesen, meinen Wünschen nachzugeben und so konnte ich jetzt eine Reise mit den Veranstaltern Maiers Weltreisen, DER und ADAC (was wichtig für wegen des Leihwagens ist) aussuchen.
Zwischenzeitlich ist auch alles gebucht. Anfang des Sommers geht es mit meinem Sohn von Las Vegas (ab hier als Leihwagen einen Ford Mustang Cabrio) zum Gran Canyon, nach Flagstaff (alte Stadt an der Route 66), weiter nach Albuquerque, Santa Fe (möchte unbedingt das Museum von Georgia O’Keeffe besuchen), weiter nach Las Cruces, Tucson, Phoenix, Palm Springs und Los Angeles. Hier dann weiter auf der Traumstraße 101 über San Luis Obispo, Santa Barbara und San Francisco. Hier geben wir das Auto ab und fliegen nach drei Übernachtungen nach Hawaii, bleiben dort zwei Nächte und fliegen dann nach N.Y. (fünf Nächte). Bis auf Hawaii kenne ich schon fast alles, aber es ist so toll, dass man es noch einmal sehen kann und vor allem möchte ich meinem Sohn damit eine große Freude machen, der es wirklich verdient hat. Alles in allem dauert die Reise fast vier Wochen.

Im Haus durften wir nicht nur Dein künstlerisches Talent bestaunen, sondern auch erfahren, dass Du Unterricht gibst. Verfolgst Du dieses Projekt nach wie vor?

Ja, ich gebe ja seit Rentenbeginn 2004 Unterricht über die VHS in verschiedenen Städten des Oberbergischen Kreises. Außerdem erteile ich Malunterricht im Sommer in meinem traumhaft schönen Garten, organisiere Malreisen in die Toscana, an den Bodensee und in die Schweiz und mache Ausstellungen. Ich bin getragen von dem Satz, den Beuys sagte („In jedem Menschen ist ein Künstler“) und ich gebe meine Mal-Erfahrung gerne weiter. Es bereitet mir große Freude zu sehen, wie die Entwicklung meiner Malschüler ist. So habe ich sehr viele Teilnehmer, die bereits seit drei oder vier Jahren immer wieder meine Kurse besuchen und hier entstehen inzwischen wirkliche Kunstwerke.

Im BB-Haus lebt man nicht nur von der Außenwelt abgeschottet, sondern auch auf engstem Raum. Sicher bilden sich so nicht nur schneller Sympathien, sondern auch Antipathien. Mit welchen Deiner ehemaligen Mitbewohner hast Du noch Kontakt, in wem hast Du dich getäuscht?

Zunächst einmal habe ich mich in gar keinem getäuscht – die Meinung, die ich mir nach kurzer Zeit bilden konnte, traf tatsächlich zu. Sehr engen Kontakt habe ich nach wie vor zu Marc. Wir wissen beide, dass man sich auf das, was wir sagen, auch wirklich verlassen kann. Außerdem war ich zum 30. Geburtstag seiner Schweser Evelyn in Völklingen und auch hier besteht ein guter Kontakt, ebenso wie zu den sehr netten Eltern. Marc und seine Freundin kommen mich in Kürze für zwei oder drei Tage besuchen – Platz habe ich ja genug.

Wo können Deine Fans Dich „treffen“ und welche Projekte planst Du?

Mit dem Begriff „Fans“ gehe ich vorsichtig um. Wer mit mir in Kontakt treten will, kann dies unter Facebook, meiner Homepage www. Anne-Waldvogel.de oder www.artoffer.com/Anne-Waldvogel/Galerie tun. Auftritte sind nicht geplant, obwohl ich nach wie vor gerne mein Lied „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ am Computer beim Malen höre. Ansonsten dreht sich in meinem Leben alles um’s Malen.

Mit etwas Abstand gesehen: Bereust Du es, ins Haus gezogen zu sein oder könntest Du dir vielleicht sogar vorstellen, an einer weiteren Staffel mitzuwirken?

Wenn ich mich zu etwas entschieden habe, so bereue ich das grundsätzlich nicht. Keinesfalls meine Teilnahme bei der BB 10 Staffel. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, so etwas noch einmal zu machen.

BB 11 steht vor der Tür. Wirst Du zusehen? Und welche Tipps würdest Du den Big-Brother-Machern und zukünftigen Bewohnern geben?

Ja, ich werde zusehen. Tipps kann und will ich keine geben. Die BB-Macher haben ihr Konzept, das sie durchführen und allen neuen Teilnehmern kann ich nur sagen, macht es einfach so und lebt, wie ihr wirklich seid, denn sich zu verstellen und womöglich auf „Star“ zu machen, bringt gar nichts. Ich persönlich fände es aber spannungsreicher, wenn mehrere ältere Personen und mehrere jüngere einziehen und nicht nur eine Ältere, wie ich z.B.

Die Staffel 10 war geprägt von Streitigkeiten – aber auch vielen positiven Momenten. Wenn Du Dich zurückerinnerst, was war Dein schönstes/schlimmstes Erlebnis?

Es gab unglaublich schöne Momente und davon sehr viele. Am schönsten war für mich der Live-Auftritt im Studio zum Singen. Als schlimm empfand ich die Verlogenheit von sehr vielen Teilnehmern, der krasse Egoismus, der Schmutz und die Unordnung und ganz besonders, wozu Menschen bereit sind, nur um Zigaretten zu bekommen.

Möchtest Du Deinen Fans noch etwas sagen?

Ich möchte noch einmal allen danken, die mir den dritten Platz ermöglicht haben und dank deren Hilfe ich jetzt wirklich eine Traumreise starten kann.
Ich werde ein kleines Reisetagebuch schreiben und es später veröffentlichen. Stelle mir vor: Jeden Tag unter Facebook ein Reisebericht mit Fotos für meine Fans/Freunde.

Ein oft kritisierter Punkt bei Big Brother ist die Tatsache, dass die Mehrheit der Bewohner zumeist extrem jung ist. Mit Dir ist nicht nur eine interessante, sondern auch lebenserfahrene Frau eingezogen, was Dir sicher viele Fürsprecher verschafft hat. Aber auch mit Kritik wurde nicht gespart. Wie reagieren die Menschen auf Dich und wie gehst Du mit negativen, zum Teil sogar beleidigenden Aussagen um?

Zuerst einmal möchte ich sagen, ich hätte es sehr viel spannender gefunden, wenn man einen männlichen Part in meinem Alter dazu gegeben hätte. Wäre ich dann von den Jüngeren im Haus auch so übel attacktiert worden? Ich glaube kaum. Aber heute ist mir klar, dass das Konzept von Endemol genau so war. Ich sollte polarisieren, denn es war ja von vornherein klar, dass ich mir vieles nicht gefallen lassen würde.

Ärgerlich fand ich die ständige Wiederholung der lästernden Oma-Anne (übrigens ein Ausdruck den ich mir ausdrücklich verbiete!). Weder bin ich Oma, noch ist irgendjemand dazu befugt, mich so zu nennen. Dies zeigt allerdings die Tendenz der Macher. Ganz ganz übel fand ich die Bemerkung von der sogenannten Psycho-Tante Erika Berger, an mir würde ja sonst niemand mehr lecken.
Das war aller unterste Schublade und das von einer Frau, die noch fünf Jahre älter ist als ich. Ebenso die reißerische und negative Aufmachung der Moderatorin Bechtel. Und was das sogenannte Lästern betrifft: Was tut man den ganzen Tag, eingesperrt auf engstem Raum mit Menschen, die ich zum Schluss schon nicht mehr ansehen wollte? Man spricht über deren Verhalten, weil man ja umkommt vor Langeweile und Nichtstun.

Als ich rausging, meinen dritten Platz zu feiern und es auch Buh-Rufe gab, habe ich das an mir abgleiten lassen. Ich lebe nach dem Motto: „Ich kann nicht jedermanns Darling sein“. Als ich nach Hause kam, hatte ich über 2.000 Mails unter meiner Email-Adresse und zehn Heiratsanträge (facebook habe ich erst sehr viel später und nur auf Anraten von Marc gemacht). Natürlich hatte ich auch einige sehr üble anonyme Anrufe oder auch ein paar Briefe, ebenfalls anonym, und das erstaunlicherweise fast nur von Damen meines Alters mit dem Hinweis, ich hätte mich nicht altersgerecht verhalten. Was bitte schön soll das sein? Ich habe diese wenige negative Kritik einfach ignoriert und wenn die Briefe sogar noch massive Rechtschreibfehler enthielten, so konnte ich darüber sogar lachen, zeigte es doch, welches Geistes Kind sich hier geäußert hatte.
Die ersten Tage kam ich gar nicht vom Computer los und ich wollte mich auch erst einmal wieder klimatisieren. Als ich dann nach Köln fuhr, so erlebte ich, dass auf der Haupteinkaufsstraße Schildergasse die Leute auf mich zu kamen und meine Tapferkeit und den Mut lobten, wie ich neun Wochen im Haus ausgehalten hatte (im Nachhinein für mich selbst ein Wunder). Egal wo ich hinging, ich wurde erkannt und freundlich angesprochen und niemand staunte mehr darüber als ich. Anfang Oktober flog ich nach Israel mit der LH. Eine Stewardess in der Maschine sprach mich an und sagte, sie und ihr vierjähriger Sohn seien große Fans von mir. Und als ich zu meinem Geburtstag im November nach Ägypten zum Tauchen flog, so wurde ich dort im Club-Dorf angesprochen und ich sollte erzählen. Ich war erstaunt, nach so langer Zeit immer noch mit BB in Verbindung gebracht zu werden.

Alles in allem: Es war interessant einmal so etwas zu erleben wie das Big Brother-Haus, ich bin aber Anne, zwar inzwischen 66 Jahre alt, aber keineswegs eine Oma und alle, die mich über mein Alter klassifizieren, sollten bedenken, dass sie auch einmal – so Gott will – alt werden und dürfen sich heute schon mal vorstellen, wie sie dann sind.

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