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Promi Big Brother 2015 Kritik

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steans Sprechzimmer: Die beste Promi-Staffel aller Zeiten – oder!?

Im Schnitt waren die Quoten von Promi Big Brother 2015 zwar etwas niedriger als im Vorjahr, doch zuletzt erzielte der große Bruder die beste Quote aller Zeiten für eine Promi-Folge. Doch war die Staffel auch inhaltlich die beste aller Zeiten? BBfun.de-Autor Christian meint: Ja! Ja, wobei…

Hyper, Hyper? Nicht bei Big Brother

Nicht nur aufgrund meiner Tätigkeit bei BBfun.de ist der große Bruder ein großer Teil meines Lebens – und ganz ehrlich: manchmal ein zu großer Teil. Im Hinblick auf Promi Big Brother 2015 war das vermutlich jedoch nicht ganz verkehrt, um sich selbst in Stimmung zu bringen. Sat.1, Endemol und auch die Bild-Zeitung haben sich hier nämlich etwas zurückgehalten. Klar, hier gab es einen Einblick ins Sprechzimmer, da gab es einen Trailer und dort wurde mal ein Kandidat vorab enthüllt. Doch all das passierte vornehmlich in den letzten fünf Tagen vor der Einzugsshow und eignete sich zudem meist inhaltlich nicht, um Spannung zu erzeugen. Wenn beispielsweise der Hausmeister durch das Big Brother-Haus tänzelt und anschließend seinen Dreck in den Keller schüttet, ist das zwar ein ganz netter Trailer, erklärt aber letztlich auch: Erwartet nicht zu viel Neues von der Promi Big Brother-Staffel.

Promi Big Brother 2014 reloaded

Aber bei diesem Trailer muss man immerhin auch sagen: Anstatt das Blaue vom Himmel zu versprechen, wie man es häufig bei ausländischen Big Brother-Staffeln erlebt, war er immerhin ehrlich. Denn in der Tat bot der große Bruder inhaltlich erst einmal nicht viel Neues. So war das Big Brother-Haus – durchaus eines der schönsten der deutschen Variante und definitiv das schönste der Promi-Version – erneut in einen Luxusbereich oben und in einen kargen Keller unten eingeteilt. Das ist prinzipiell nicht verwerflich, zumal sich der Kontrast zwischen arm und reich gerade bei Promis und Ex-Promis geradezu anbietet.

Darüber hinaus befürwortet auch ein großer Teil in den Fan-Communitys (zu dem ich nicht unbedingt gehöre) eine solche Hausteilung. Sie sorgt dafür, dass Bewohner schon einmal an ihre physischen und psychischen Grenzen kommen und trägt somit dem Wunsch der deutschen Big Brother-Zuschauer Rechnung, dass die Bewohner während ihrer Zeit im Haus auch etwas leisten. Ein Wunsch, der übrigens in der Big Brother-Welt wohl sonst nur beim kompetitiv angelegten amerikanischen und kanadischen Big Brother so stark ausgeprägt ist.

Und jährlich grüßt das Murmeltier

Aber: Bei der Ausführung des Konzepts machte man sich in Köln zunächst nur wenig Mühe, einen anderen Blickwinkel auf diese Thematik zu finden. Stattdessen nutzte man zu weiten Teilen den Ablaufplan aus dem Jahr 2014. So zogen auch in diesem Jahr sechs Promis während der Einzugsshow in den Luxusbereich, während sinnigerweise erneut sechs Promis – ganz wie im Vorjahr – schon am Mittwoch in den Keller geschickt worden sind und am Freitag nur im Sprechzimmer von Jochen Schropp interviewt wurden. Zur Halbzeitshow durfte Jochen Schropp – ganz wie im Vorjahr – erneut in die Bereiche schalten, allen Bewohnern gratulieren, dass sie das Gesprächsthema von ganz Fernsehdeutschland sind, während der große Bruder anschließend – ganz wie im Vorjahr – einen Geheimgang zwischen den Bereichen freigab. Den mussten die Bewohner unten aber– ganz wie im Vorjahr – erst suchen. Von der Startshow bis zur Halbzeitshow hatten die Bewohner oben zudem wieder die Möglichkeit, jeden Tag einen Bewohner von unten zu sich zu holen, während die Zuschauer – ganz wie im Vorjahr – einen Kandidaten nach unten verbannen konnten.

Das Recyceln der Ideen von 2014 ist aufgrund des Erfolgs der zweiten Promi-Staffel nachvollziehbar, doch von den Fans und auch mir gibt es keinen Preis für umweltfreundliches Bewusstsein, sondern einen Tadel für die Wiederholung.

Keine Zeit für ein Du-Du-Dudu-Duell

Eine Änderung gab es allerdings gegen über Promi Big Brother 2014. Während im Vorjahr die Bewohner oben in Challenges außerhalb des Hauses für die Bewohner unten um eine Belohnung spielten, mussten diese in Matches im Haus antreten. Dabei hatte der große Bruder keinen Aufwand gescheut, um große Challenges aufzuwärmen und Matches aufzubauen. In diesem Jahr fielen die Matches – nun Duell genannt – deutlich kleiner aus und fanden nur in der Live-Show stand. Dazu errichtete Big Brother eine durchaus schick aussehende Duell-Arena direkt über dem Studio, die die Bewohner über ein tatsächlich vorhandenes Treppenhaus erreichten.

Volle Punktzahl bei der Haltungsnote sind dem großen Bruder damit sicher, doch bei den Weitenpunkten gibt es dann doch deutliche Abzüge. Inhaltlich waren die Duelle nämlich kein sonderlich großer Wurf und waren in der Regel deutlich kürzer als die Schnick-Schnack-Schnuck-Spiele der Bewohner, falls sie ihren Duellanten selbst wählen durften. Dadurch wirkten die Live-Duelle mehr wie ein Füll- oder teils sogar eher wie ein Störfaktor als ein spannendes Element der Show.

Hungerspiele im Big Brother-Haus

Nun hat zwar Stefan Raab gezeigt, dass Kopfrechnen oder Lügenspiele wie Mäxchen durchaus auch für Spannung sorgen können – aber nur, wenn es tatsächlich um etwas Greifbares wie einen Millionengewinn . Das war bei Promi Big Brother 2015 zumindest in den ersten Tagen nicht der Fall. Ob die Bewohner nun für 24 Stunden nur Wasser und Brot oder Wasser und Brot sowie eine Sellerieknolle, Fenchel und ein paar Gewürze bekommen, macht für den Zuschauer nur wenig Unterschied, die Auswirkungen sind schließlich allenfalls schleichend zu merken.

Und auch für oben ist ein Verlust bei einem Essensduell nicht gerade tragisch. Statt Ärger über den Brei wird sich eher gefreut, dass die armen Kellerkinder es nun etwas besser haben. Lediglich eine dreimalige Niederlage in Folge könnte bei den Bewohnern für trübe Gesichter sorgen, aber wohl nur wenig Mitleid bei den Zuschauern. Schließlich haben sie es immer noch besser als die Kellerkinder. Und in den USA müssen sich zudem einige Bewohner für eine ganze Woche von einem vermutlich noch weniger schmackhaften Brei ernähren. Nein, für die Idee der Live-Duelle in ihrer ursprünglichen Form kann man den Machern nicht gratulieren – lediglich für die Idee, aus den Essensduellen durch die Hunger Games-Musik im wahrsten Sinne des (deutschen) Wortes Hungerspiele zu machen.

Der schnellste Reparaturservice in ganz Köln

Doch glücklicherweise hat auch Big Brother recht schnell bemerkt, dass man an den Live-Duellen nochmals arbeiten muss und führte nach dem ersten Wochenende die Idee der Wechselduelle wieder ein. Die simple Idee, einzelne Bewohner oder ganze Teams durch den Gewinn des Wettkampfs die Bereiche wechseln zu lassen, fixte die Live-Duelle. Allein durch das Wissen, dass der große Absturz drohen kann, bekommt auch das einfachste Memory oder das kürzeste Prügelspiel eine gewisse Spannung verliehen. Zudem sorgt eine Verkündung des Wechsels regelmäßig für pure Emotionsausbrüche bei den Siegern, die nicht selten von den beleidigten Verlierern zickig kommentiert werden. Man denke nur an den Wechsel der Frauen in den Keller!

Einen weiteren Minuspunkt gibt es jedoch für die Pressemitteilung, die ein Psycho-Duell und das vielleicht ungerechteste Duell der Staffel ankündigte. In Wirklichkeit fand dann aber jedoch nur ein Scrabble-ähnliches Spiel statt, das letztlich nur wegen Jochen Schropps Schummelfrage für Aufmerksamkeit sorgte.

Spätzünder: Die Bewohner von Promi Big Brother 2015

Doch nicht nur bei den Live-Duellen startete die dritte Promi Big Brother-Staffel schleppend. Auch die Bewohner enttäuschten anfangs recht stark. Dabei ließ das Casting zu Beginn „business as usual“ und somit weitgehend vorab feststehende Storylines vermuten. Wilfried Gliem war wohl als neuer Hubsi geplant, der alte, manchmal vielleicht auch etwas verwirrte, aber immer liebevolle Schlagersänger im Haus. Désirée Nick hingegen war hingegen mit scharfzüngigen Analysen und wohl überlegten Provokationen für die Nachfolge von Ronald Schill prädestiniert. Judith Hildebrandt stand vorab als die gute Seele des Hauses fest, während Nina Kristin und Sarah Nowak nicht nur für Zickenkrieg, sondern auch ansprechende Duschbilder sorgen sollten.

Doch zum Start von Promi Big Brother 2015 kam alles noch schlimmer, denn geliefert haben nur die wenigsten Bewohner. So wurde Judith ihrem Ruf als dauerhaft aufgedrehtes Duracel-Äffchen gerecht, während Désirée Nick schon in den ersten Sekunden nach dem Einzug ein Bündel vorbereiteter Gemeinheiten von sich gab. Der Rest blieb jedoch zum Start weitestgehend blass. So machte sich Nina Kristin aus Angst vor dem Keller vom Beginn weg genauso unsichtbar wie JJ und ließ Daniel Köllerer den Vortritt bei der ersten Nacktdusch-Szene des Jahres, von dem somit zunächst nur die Nudel in Erinnerung blieb. Michael Ammer fiel derweil in erste Linie durchs Kettenrauchen auf, während Anja Schüte wohl von nicht wenigen Zuschauern lediglich für Dekoration gehalten worden ist. Wirklich besonders aufgefallen – ob positiv oder negativ – ist in den ersten Tagen kaum jemand in dieser Staffel. Man könnte hier vielleicht Menowin Fröhlich anbringen, der von Beginn an durch seine Keller-TV-Einlage und das direkte Sprechen in die Kamera die Show für sich genutzt hat.

Die Stars beginnen zu leuchten

Doch wer nach dem Wochenende Promi Big Brother 2015 wegen den eher enttäuschenden Bewohnern als Flop abgeschrieben hat, hat zu früh sein Urteil gefällt. Denn es gab durchaus einige Überraschungen in dieser Staffel. So trat Nina Kristin eine wahre Heldinnenreise an: vom schweigenden Lämmchen zunächst zum Mobbingopfer und dann schließlich harten Duellantin und Liebling der Zuschauer. Partykönig Michael und Anja sitzen dagegen nicht wie erwartet kettenrauchend die Staffel einfach aus. Während Michael beim Trösten seiner Mitbewohner seine einfühlsame Seite zeigte, machte Anja mit fortlaufender Staffel immer stärker Désirée Konkurrenz als Lästerschwester Nummer 1 im Haus.

Wilfried bewies den Machern wiederum, dass sämtliche Spöttereien über seine eingeschränkte Beweglichkeit nicht gerechtfertigt sind und er nicht Stunden vor dem Duell schon zur Arena gerufen werden muss. Dabei füllte nicht er die Rolle des verwirrten Schlagerstars aus, sondern Nino de Angel. Der überraschte mit seinen Emotionsausbrüchen – besonders wenn es um Rudi ging – genauso wie Daniel Köllerer, der schon einen Nervenzusammenbruch bekommt, wenn einer nur ansatzweise das Wort Betrug in den Mund nimmt.

Big Brother entthront die Schneekönigin

Désirée Nick, die wohl viele für die scharfzüngigste Frau Deutschlands und lebendes Gegenstück zu Miranda Priestly hielten, wurde indes wie die Drachenlady aus „Der Teufel trägt Prada“ ein Stück weit entzaubert, als die Schicksalsgeschichten von David Odonkor und der Keller auch sie zum Weinen und an den Rand ihrer Kräfte brachten. Big Brother schaffte damit etwas, das selbst das Dschungelcamp nicht erreichen konnte.

Nur wenige Bewohner verhielten sich während der Staffel so, wie man es vorab erwarten hätte können. Judith blieb durchweg die Gute-Laune-Mutti, die einigen wegen ihrer aufgedrehten Art auf den Senkel ging. Menowin Fröhlich blieb der Bewohner, der sich viel zu sehr bei den Zuschauern anbiedert, um doch der Marcel Schiefelbein unter den Halb-Promis zu bleiben. Sarah Nowak konnte wiederum als Teil einiger Zickereien Zeit in den Zusammenfassungen gewinnen, während JJ – trotz anderslautender Ankündigungen beim Einzugsvoting – nur bewies, dass Deutschland sie nicht kennen muss. Das ist jedoch geschenkt, wenn man gleichzeitig Wutausbrüche von Daniel Köllerer, Ninos Alkoholabsturz, Davids Einsatz für schwächere Bewohner oder einen Kampf zwischen Désirée und Nino präsentiert bekommt.

Fazit zu Promi Big Brother 2015

Die Bewohner stellten in diesem Jahr einmal mehr den Beweis an, dass Big Brother dann am besten funktioniert, wenn die Show etwas außer Kontrolle ist und auch die Produzenten nicht wissen (können), was passiert. Damit unterschied sich Promi Big Brother 2015 auch wohltuend von so manchen – nicht allen – ausländischen Staffeln, bei denen die Macher mit Twist nach Twist und Stunt nach Stunt den Takt vorgeben und so auch ein Stück weit verhindern, dass die Zuschauer die Bewohner im Haus besser kennenlernen. Und genau die Tatsache, dass die überraschenden Bewohner und nicht spektakuläre Stunts außerhalb des Hauses Promi Big Brother 2015 definierten, machte die Staffel zur besten Promi-Staffel, die wir bislang in Deutschland gesehen haben.

Das heißt nicht, dass die Show perfekt war. So wurde seitens Big Brother, wie teilweise schon ausgeführt, zu viel bekannter Spielereien abgefeuert. Dazu gehören die exakte Hausteilung und Umzugsregeln vom letzten Jahr genauso wie die Bewohner-internen Rankings, die ja durchaus auch für Zoff unter den Teilnehmern sorgten. Doch hier wäre es wünschenswert, wenn der große Bruder die Kandidaten und letztlich auch die Zuschauer mehr überrascht – auch wenn das angesichts der inzwischen nur noch spärlich gesäten Innovationen in der gesamten BB-Welt eher schwer fällt. Und auch wenn die Idee durchaus löblich ist, sich für eine unverfälschte Darstellung der Realität mit Aufgaben weitestgehend rauszuhalten und die Bewohner sich selbst zu überlassen; Es würde dem Format wohl durchaus gut tun, wenn die auch bei Promi BB 2015 vorhandenen Leerläufe im Haus mit weiteren Aufgaben und Impulsen überbrückt werden. Das erfreut nicht nur den 24/7-Live-Zuschauer, der für den Big Brother-Kanal bei Sky gutes Geld abdrückt, sondern würde auch den Machern ihre Arbeit bei der Bestückung der Sat.1-Sendung erleichtern. Schließlich müssen sie so nicht hoffen, dass die Show am Abend gerade so voll wird mit interessanten Gesprächen, sondern könnten von einer Vielzahl an Highlights die besten für die Zusammenfassung auswählen.

Außerdem: Bitte verschont uns bei Promi Big Brother 2016 mit Cindy aus Marzahn, die es auch in diesem Jahr wieder zuverlässig schaffte, mit ihren gelangweilten Vorlesen von allenfalls mittelmäßig lustigsten Witzen mehr zu nerven als die schlimmsten Bewohner im Haus. Wenn die Mother of „Mir gehen die Bewohner so auf die Eier“ etwas Anstand hat, wird sie allerdings einen Teil ihrer Gage an den Anheizer abtreten. Der hatte das Publikum schließlich dazu animiert, von Tag zu Tag immer lauter zu klatschen und so den negativen Kommentaren zur pinken Pseudo-Komikerin auf Twitter etwas entgegen zu setzen. Da hat er vor der Show und in den Pausen einen genauso guten Job erledigt wie Jochen Schropp während der Show. Ihn wollen wir bei der vierten Promi-Staffel ebenso gerne als Moderator wiedersehen wie Jochen Bendel und Melissa Khalaj in der Late Night-Show auf sixx – der besten Ausrede, wieso man am nächsten Morgen durchaus verschlafen auf der Arbeit erscheinen darf.

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