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© sixx

Warum sollte ich heute Abend Big Brother schauen?

Auch heute Abend läuft bei sixx - wie soll es auch anders sein - wieder eine Zusammenfassung des gestrigen Tages im Big Brother-Haus. Doch gibt es überhaupt einen Grund, den Fernseher einzuschalten und sich die Folge überhaupt anzuschauen? Könnten die schlechten Quoten am Wochenende nicht auch ein hausgemachtes Problem sein?

Vor zwei Wochen hätte der ein oder andere Zuschauer die aktuelle Big Brother-Staffel aufgrund mieser Quoten wohl abgeschrieben. Doch inzwischen läuft es für den großen Bruder wieder besser. Die Einschaltquoten klettern zuletzt mehrfach über die Zwei-Prozent-Hürde und sollte der aus früheren Staffeln bekannte J-Effekt einsetzen, könnten die Zuschauerzahlen sogar noch weiter steigen. Gute Quoten dürfte sixx aber wohl erst wieder am Montag verzeichnen, denn am Wochenende tut sich der große Bruder nach wie vor schwer und holt Quoten weiter unter dem Senderschnitt. Die Gründe hierfür sind auch beim Sendeplatz suchen. Am Wochenende warten die großen Sender zur Primetime oftmals mit mehrstündigen Shows oder Filmen auf, die auch noch dann laufen, wenn die Big Brother-Tageszusammenfassungen bei sixx starten. Der große Bruder tritt damit effektiv gegen Sendungen wie „Schlag den Raab“, „Das Supertalent“ oder „Die 2 – Gottschalk und Jauch gegen alle“ an.

Schlechte Quoten am Wochenende: Ist Big Brother selbst Schuld?

Doch selbst wenn diese Schwerkaliber nicht im Gegenprogramm laufen würden: Wieso sollte man ausgerechnet heute Big Brother schauen? Gründe, wieso das Format selbst zu den interessantesten im Reality-Bereich zählt, könnte ich viele nennen. Gründe, wieso ich aber die Folge heute unbedingt schauen muss, fallen mir nicht ein. Es wird vielleicht ein paar Streitereien geben, vielleicht werden erotische Szenen wiederholt und womöglich findet ein Match statt. (Was heute tatsächlich in der TZF zu sehen ist, könnt ihr unserer TV-Vorschau lesen.) Es mag eine ganz unterhaltsame Tageszusammenfassung werden, die man schauen kann, wenn man Zeit hat. Doch man muss sie nicht unbedingt gucken, um die kommenden Episoden verstehen zu können.

Big Brother Manuel

Muss man die TZF heute tatsächlich schauen? (c) sixx

Das ist Segen und Fluch zugleich. Ein Segen ist es, weil sich der große Bruder so nach dem Wochenende wieder auf Quoten über dem sixx-Schnitt steigern kann. Späteinsteiger und Kurzzeitausteiger müssen nicht – wie beispielsweise bei House of Cards oder Game of Thrones – nochmals alle verpassten Folgen in einer Binge Watching-Session anschauen, um die Sendung zu verstehen. Kurzum: Big Brother ist leicht zugänglich – was den J-Effekt wohl überhaupt erst ermöglicht. Doch wenn nur Big Brother im gesamten Must-See-TV ist und einzelne Folgen lediglich Can-See-TV sind, droht ein Quotendebakel sobald die großen Sender ihre Leuchtturmformate auspacken. Denn bei einer Sendung, in der man leicht wieder einsteigen kann, gibt es auch kaum Hemmnisse, zwischendurch auszusteigen.

Welche Big Brother-Folgen muss man überhaupt sehen?

In Deutschland gibt es im Grunde nur maximal drei Folgen, die man allgemein als Must-See-TV klassifizieren kann. Das ist auf jeden Fall die Entscheidungsshow am Dienstag mit der Auflösung der Wochenaufgabe, Bestrafungen, Nominierungen und Auszügen sowie die Tageszusammenfassung am Donnerstag mit der neuen Wochenaufgabe. Womöglich kann man auch die Tageszusammenfassung am Mittwoch mit dem Nachbeben der Live-Show dazuzählen. Das sind die Folgen bei Big Brother Deutschland, in denen der Zuschauer vorab eine grobe Ahnung hat, was passieren wird und auch sichergehen kann, dass etwas passieren wird. Es sind Folgen, die durch die Dramaturgie des Big Brother-Konzepts einen grundlegenden Sinn haben und dadurch zu Must-See-TV werden.

Big Brother Live-Show

Der Höhepunkt jeder BB-Woche: die Live-Show (c) sixx

Womöglich ist es in Zeiten, in denen Zuschauer im TV und im Internet aus so vielen Programmen auswählen kann, recht sinnvoll, diesen Gedanken weiterzutreiben. Soll heißen: Um dem Zuschauer jeden Tag einen Einschaltgrund zu geben, muss man zunächst jeder Folge einen Sinn geben. Die Amerikaner haben das im Jahr 2001 gemacht, nachdem die Premierenstaffel mit dem klassischen Big Brother-Konzept bei den Kritikern und Zuschauern durchfiel. Seitdem laufen statt sechs Episoden pro Woche nur noch drei Episoden, von denen jede eine klare Aufgabe hat.

Big Brother USA: Darum sollte man keine Folge verpassen

Die amerikanische Big Brother-Woche endet und beginnt in der Live-Show, in der zunächst einer der Nominierten nach einem Bewohnervoting aus dem Haus gewählt wird. Anschließend findet die sogenannte HoH-Competition statt, ein Match, bei dem ein neuer Haushaltschef (Head of House) gewählt wird.

In der zweiten Episode einer Woche wird entweder die Fortsetzung der HoH Competition, falls sie in der Liveshow nicht beendet wurde, oder eine Have-Have-Not-Competition gezeigt. Bei letzterer wird ermittelt, welche Bewohner nur Brei als Nahrung erhalten, kalt duschen müssen und in einem ungemütlich eingerichteten Raum schlafen müssen (beispielsweise auf Zahnarztstühlen). Am Ende der Folge endet dann mit der Nominierung, die in den USA nur der HoH vornimmt.

Big Brother USA Competition

Jedes Match und jede Folge führt in den USA zu einer Entscheidung (c) CBS

In der dritten Folge einer amerikanischen BB-Woche ist schließlich noch eine Veto Competition zu sehen, bei der ein Teil der Bewohner darum kämpft, einen der Nominierten vor der Nomiliste zu schützen. Am Ende der Episode fällt dann die Entscheidung, ob der Gewinner dieses Veto nutzt und wen der HoH gegebenenfalls als Ersatz auf die Nominierungsliste setzt. Der Rest der Episode wird – genauso wie an den anderen Tagen – mit Strategiegesprächen, die zu den Entscheidungen am Ende der Folgen führt, sowie sonstigen zwischenmenschlichen Highlights aus dem Haus aufgefüllt.

Auch Promi Big Brother-Folgen waren Must-See-TV

Dieses Konzept macht jede amerikanische Big Brother-Folge zu Must-See-TV, schließlich liefert jede Folge eine Entscheidung und der Weg der Bewohner dorthin. Gleichzeitig können Fans durchaus einzelne Folgen verpassen, da das Ergebnis der vorherigen Folge kurz zu Beginn der nächsten Folge wiederholt wird. Genutzt wird diese Möglichkeit nur selten. Noch immer ist der große Bruder in den USA eine der erfolgreichsten Sendungen im Sommerprogramm.

Auch in Deutschland gab es schon Staffeln, in der jede Folge einen Sinn hatte und so einen Einschaltimpuls für die Zuschauer gab. Das war aber nicht beim regulären Big Brother der Fall, sondern bei der Promi-Ausgabe. Dort fiel spätestens am Ende jeder Sendung ebenfalls eine Entscheidung. Wer muss in den Keller? Wer darf hoch? Und wer muss das Haus verlassen? Besonders praktisch für die Zuschauerbindung: Man musste die Show live schauen, um bei diesen Entscheidungen mitreden zu können.

Was kann Big Brother Deutschland von den USA lernen?

Nun ist das Promi Big Brother-Konzept nicht dazu geeignet, es auf das normale Big Brother zu übertragen. Drei Monate lang Live-Sendungen zu produzieren und dabei in der zweiten Hälfte täglich einen Bewohner rauszuwerfen, würde nicht funktionieren. Doch aus dem amerikanischen Konzept ließen sich durchaus Lehren für Big Brother Deutschland ziehen. Eine Kürzung auf drei Folgen pro Woche und dem Streichen der Zuschauervotings könnte man wohl nur wenig Fans in Deutschland begeistern. Matches nach amerikanischen Vorbild würden dagegen auch hierzulande begeistern, zumal sie einen entscheidenden Einfluss auf die Dynamik im Haus haben.

Big Brother Deutschland Match

In Deutschland steht bei Matches nur wenig auf dem Spiel. (c) sixx

Stellenweise könnte das Format aber durchaus gestrafft werden, besonders dienstags. Nicht selten wird die Live-Show mit unnötigen Gimmicks aufgeblasen, um die Sendezeit von zwei Stunden zu füllen. Hier könnte man bereits ansetzen und einige Inhalte über die Woche verteilen und so jeder Folge eine klare Aufgabe gegeben werden. Beispielsweise könnten Nominierungen – wie in nahezu allen BB-Ländern inzwischen üblich – außerhalb der Auszugsshow stattfinden und beispielsweise einen Tag nach dem Auszug ausgestrahlt werden. Am Folgetag könnte dann ein Match gezeigt werden, bei dem sich ähnlich wie beim PoV in den USA ein Bewohner von der Nominierungsliste retten kann. An Tag drei könnte dann die Wochenaufgabe beginnen, die dann schon in der Tageszusammenfassung vor der Liveshow aufgelöst wird. So hätten bereits fünf Folgen eine klare Aufgabe: Auszug, Nominierung, Nominierungsmatch, Start der Wochenaufgabe, Ende der Wochenaufgabe.

Diese Vorschläge sind natürlich nur erste Ideen, um das Konzept zu ändern, die einzelnen Folgen relevanter zu machen und den Einschaltimpuls zu erhöhen. Vermutlich würde auch der Start der Wochenaufgabe in der Sendung am Freitag oder ein größeres Match am Samstag nicht ausreichen, damit der große Bruder am Wochenende um 22:10 Uhr gegen die Showkonkurrenz der Hauptprogramme bestehen kann. Doch welche Vorschläge habt ihr für die Tageszusammenfassungen: Wie kann man die täglichen Big Brother-Sendungen verbessern – oder sollten sie so bleiben, wie sie sind?

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