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Big Brother's Big World

BBBW Spezial: Das Leben von Jade Goody

Am 22. März 2009 starb die britische Big Brother-Bewohnerin Jade Goody an den Folgen ihrer Krebserkrankung. An ihrem dritten Todestag wollen wir einen Blick zurückwerfen - auf das Leben von einem der größten Stars und eine der bewegendsten und kontroversesten Geschichten, die Big Brother je gesehen hat.

Jade Goodys Big Brother-Karriere startete im Mai 2002, als im Vereinigten Königreich die dritte Staffel von Big Brother an den Start ging und Jade zusammen mit elf Mitbewohnern in das neue Haus einzog. Die englische Presse war jedoch kein Fan von ihr, stürzte sich in den Blättern mehrfach auf sie und machte sich über ihr fehlendes Allgemeinwissen lustig. So dachte Jade, dass Rio de Janeiro eine Person sei und dass Ostanglien irgendein fremdes Land sei. Auch ihr unverblümtes und oft etwas unverschämtes Verhalten, wie beispielsweise an dem Abend als sie zu viel getrunken hat und sich daraufhin komplett auszog, waren ständiges Thema der Presse. Doch ähnlich wie wir Zlatko gefeiert haben, wurde auch Jade von den Zuschauern geliebt. Das erkannten auch die Zeitschriften, die im Laufe der Staffel auch Fans von Jade wurden.

Doch auch wenn nahezu das ganze Land Jade Goody feierte, schaffte sie es beim Finale nur auf den vierten Platz. Ein neuer Stern war aber dennoch geboren. Jade nutzte ihre Beliebtheit, um in den kommenden Jahren Fitness DVDs, eine Autobiographie und ihr eigenes Parfum zu veröffentlichen. Darüber hinaus war sie ein gern gesehener Talkgast in zahlreichen Promimagazien und TV- Shows, erhielt mit Just Jade, Jade’s P.A. oder auch Jade’s Shape Challenge eigene Reality-Shows. Auch wenn sie ihre Staffel nicht gewinnen konnte, wurde sie so trotzdem zu dem bisher erfolgreichsten Big Brother-Bewohner des Vereinigten Königreichs.

2004 kehrte Jade zum ersten Mal wieder zu Big Brother zurück. Kurz vor Weihnachten plante Channel 4 einen Ableger namens Big Brother Panto, bei dem ehemalige Bewohner mit zwei Unterbrechungen zu Weihnachten und Neujahr zurückkehrten, um Cinderella als Gebärdenspiel einzuüben und letzten Endes auch aufzuführen. Nominierungen und Herauswahlen gab es keine, die Zuschauer konnten lediglich bestimmen, ob Jade oder Mitbewerberin Anouska die Hauptrolle der Cinderella bekommen sollte. Mit über 80% entschieden die Zuschauer damals, dass Jade die Hauprolle übernehmen sollte, und zeigten somit erneut, wie sehr sie ihre Jade liebten.

Auch 2007 war die Begeisterung für Jade ungebrochen, so dass Big Brother sie erneut zurückgebeten hat, um bei Celebrity Big Brother teilzunehmen. Dieses Angebot nahm sie natürlich an und zog zwei Tage nach dem Start zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Freund ins Haus, wo sie und drei weitere Promis als Teil eines Twists direkt die Herren und Damen des Hauses wurden, während die übrigen Bewohner zu Bediensteten wohnten und in ein weniger luxeriöses Haus ziehen mussten. Diese Aktion sorgte für einige Spannungen im Haus, wollten die meisten Promis nicht das Dienstpersonal von Jade und ihrer Familie spielen.

Doch die meisten Konflikte gab es am Ende nicht zwischen Dienstherren und Bedienstete, sondern zwischen Jade’s Familie und Bollywood-Star Shilpa Shetty, die zusammen mit Jade im richtigen Haus wohnen durfte. Der Zoff begann zunächst damit, dass Jades Mutter Jackie ihre Mitbewohnern Shilpa meist nur mit Prinzessin oder die Inderin ansprach, da ihr laut eigener Aussage die Aussprache von Shilpa schwer fiel. Nachdem Jackie als erste das Haus verlassen musste, ließ schließlch Jades Freund Jack seine Wut an Shilpa aus und beschimpfte sie heftig Auch Jade lästerte zusammen mit ihren Mitbewohnerinnen Jo und Danielle immer öfter über ihre indische Mitbewohnerin. Unter den abwertenden Äußerungen waren unter anderem Spitznamen wie “’Shilpa Fuckawalla” oder “Shila Poppadom”, aber auch Anmerkungen, dass sie kein von Shilpa gekochtes Gericht essen möchte, da ja keiner wissen könne, wo Shilpa ihre Hände überall hatte.

Dieses Verhalten schlug hohe Wellen im Vereinigten Königreich. Binnen weniger Tage erhielt die britische Aufsichtsbehörde über 40.000 Beschwerden wegen Rassismus und Mobbing. Darüber hinaus verurteilten nicht nur die britischen Medien die Kommentare von Jade aufs schärfste. Auf der ganzen Welt, hier in Deutschland beispielsweise in den RTL II News, wurde über die rassistischen Vorfälle berichtet. In Indien führte die Berichterstattung zu zahlrechen Protesten, so dass sich auch hochrangige Politiker zu den Vorfällen äußern mussten.

Im Haus bekamen die Bewohner von all dem jedoch nichts mit. Channel 4 entschied sich nämlich, die Staffel nicht vorzeitig zu beenden und auch die Bewohner nicht von den Vorfällen außerhalb des Hauses zu erzählen. Doch Jades Stern war gesunken, die Wut des Volkes so hoch, dass klar war, dass Jade bei ihrer nächsten Nominierung das Haus verlassen muss. Auch Channel 4 erkannte das und entschied an jenem Abend, als sie ausgerechnet auch noch gegen Shilpa auf der Liste stand, komplett auf Fans vor dem Haus zu verzichten. Dies hatte auch einen guten Grund. Zu diesem Zeitpunkt hat es sich im UK eingebürgert, dass die Fans vor den Toren des Hauses die herausgewählten Bewohner erst einmal mit einem Buh- und Pfeiffkonzert begrüßen, ganz egal, wie gerechtfertigt diese Rufe sind. Es ist nur schwer vorstellbar, was passiert wäre, wenn eine wütende Menge Fans Jade begrüßt hätten. Während die Bewohner sich über die ausbleibende Geräuschkulisse wunderten, wurde Jade im Sprechzimmer bereits auf das vorbereitet, was sie nach ihrem Auszug erwarten würde.

Nachdem Jade mit 82% aus dem Haus gewählt worden ist, wurde sie schießlich mit den Vorwürfen konfrontiert und musste sich harten Interviews der Moderatoren stellen. Direkt bei ihrem Auszugsinterview, als Jade entsprechende Szenen vorgespielt bekam, erklärte sie, dass sie von sich selbst angewidert sei und nicht rassistisch wirken wollte. Weitere Entschuldigungen und Erklärungen folgten in den kommenden Tagen und Wochen, auch Shilpa, die die Promi-Staffel am Ende gewann, verzieh Jade und erklärte, dass sie Jade nicht für rassistisch halte. Doch Jades Karriere schien beendet. Die Berichterstattung setzte ihr schwer bei, so dass sie sich in Therapie begab und schließlich komplett zurückzog.

Auch Channel 4 hatte mit den Folgen dieses Skandals zu kämpfen. Ofcom urteilte, dass Channel 4 den Vorfall nicht angemessen gehandhabt hat und die Art und Weise, wie der Vorfall ausgestrahlt wurde, auch von den Zuschauern als anstößig betracht wurde. So hätte Channel 4 stärker herausstellen müssen, dass Jades Handlungen nicht korrekt waren. Channel 4 reagierte auf die Vorfälle und ersetzte die für 2008 geplante Staffel von Celebrity Big Brother durch den Ableger Celebrity Hijack, bei dem täglich wechselnde Promis keine geringere Rolle als die von Big Brother selbst einnahmen und den normalen Bewohnern die Aufgaben stellten. Darüber hinaus überarbeitete man zusammen mit Endemol das Regelwerk. Dieses verbot künftigen Bewohnern nun generell jede Handlung, die Zuschauer als anstößig empfinden könnten und verzichtete auf allzu kontroverse Aktionen seitens Big Brother, die für zu viel Spannung unter den Bewohnern sorgen könnten. Für viele britische Fans setzte damit das Sterben des großen Bruders ein, der nunmehr wie ein zahnloser Tiger auftrat, keine Grenzen mehr austestete und Konflikte meist selbst durch Zureden im Sprechzimmer entschärfte, um schlimmeres zu verhindern.

Doch zurück zu Jade. 2008 kehrte sie wieder in die Öffentlichkeit zurück als sie erneut ein Angebot von Big Brother erhielt. Dieses Mal war es jedoch die indische Variante namens Bigg Boss, die sie als Bewohnerin dabei haben wollte. Obwohl sie krank war und mehrfach ärztlich untersucht wurde, ließ sie sich auf das Angebot ein, zumal bei sämtlichen Untersuchungen keine Krankheiten festgestellt wurden. Darüber hinaus war der Einzug bei Big Brother in Indien für sie auch eine Chance, mit der Vergangenheit abzuschließen und Indien eine bessere Seite von ihr zu zeigen. Beim Einzug traf sie auch direkt wieder auf Shilpa, die für diese Staffel als Moderatorin verpflichtet wurde, und erklärte, dass sie nicht stolz auf das ist, was bei Celebrity Big Bother passiert ist. Auch Shilpa bekräftigte, dass sie Jade verziehen hat und schickte sie ins indische Haus.

Dort blieb sie jedoch nicht lange. Bereits am zweiten Tag ereilte sie im Sprechzimmer ein Anruf aus England – mit schlechten Neuigkeiten. Bei einem der Tests vor ihrem Abflug wurde eine Krebserkrankung des Gebärmutterhalses festgestellt. Dieser zwang sie, das indische Haus wieder zu verlassen und für weitere Tests nach England zurück zu reisen. Zurück in Vereinigten Königreich blieb sie weiter in den Medien, veröffentlichte eine weitere Autobiographie mit dem Titel “Jade: Catch A Falling Star”, spielte in einer Pantomime Schneewittchen und trat erneut in Realityshows auf. Zwischen den Auftritten musste sie auch einige Operationen und Chemotherapien über sich ergehen lassen, doch die halfen nicht dabei, den Krebs zu besiegen. Stattdessen konnte er sich bis Anfang 2009 sogar noch auf die Leber, den Darm und die gesamte Leistenregion ausbreiten und Jade musste der Gewissheit ins Auge blicken, dass sie wohl nur noch wenige Monate zu leben hatte.

Jade, von dieser Nachricht tief erschüttert, entschied sich dafür, die letzten Wochen ihres Lebens damit zu verbringen, für ihre zwei Söhne vorzusorgen. In dieser Zeit heirate sie ihren Freund, ließ sie sich und ihre Söhne noch taufen und verkaufte diese und andere Geschichten von ihrem Totenbett an die Presse, um so Geld für ihre Kinder zu bekommen. Nur die letzten Tage, als klar war, dass Jade nur noch wenige Tage zu leben hatte, zog sie sich aus den Medien zurück und verstarb am frühen Morgen des 22. März 2009. Auch ihr Tot fand in den Medien statt. So übertrug der britische Nachrichtensender Sky News ihre Beerdigung, bei der sie mit ihrem Hochzeitskleid und Fotos ihrer Kinder in einem weißen Sarg lag und durch die Menschenmengen auf den Straßen von Buckhurst Hill gefahren wurde.

Mit ihrem Kampf gegen den Krebs hat Jade Goody, auch wenn sie für das mediale Ausschlachten der letzten Tage ihres Lebens, ein letztes Mal das britische Volk begeistern können, so dass ihr auch der Rassismusskandal verziehen werden konnte. Darüber hinaus erreichte sie mit ihrer Krebserkrankung und der Berichterstattung darüber, dass das Gesundheitsministerium die Regelungen bei Gebärmutterkrebs überprüft hat, um auch unter 25-jährigen Frauen eine Untersuchung zu ermöglichen. Bisher sind diese Regelungen jedoch nicht überarbeitet worden.

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